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Laut Medienberichten – nach unserem Verständnis

 

In Deutschland

 

1.   Februar 2012

Gesellschaft. Seit im vergangenen Mai die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit für acht Länder eingeführt wurde, die 2004 der EU beigetreten sind, ziehen nach Angaben des Statistischen Bundesamts jeden Monat durchschnittlich 28.000 Menschen aus diesen Staaten nach Deutschland. Besonders viele dieser Zuwanderer kommen aus Polen. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Einwohnerzahl der Bundesrepublik 2011 um 50.000 Personen gestiegen ist. Damit haben erstmals seit 2002 die Wanderungsgewinne das Geburtendefizit mehr als ausgeglichen. Für das Jahr 2011 wird für Deutschland mit ca. 670.000 Geburten sowie mit ca. 850.000 Sterbefällen gerechnet. Daraus werde sich voraussichtlich ein Geburtendefizit von etwa 180.000 ergeben. 2010 betrug es 181.000. Doch sind im Jahr 2011 mindestens 240.000 Menschen mehr aus dem Ausland zugezogen, als aus Deutschland abgewandert sind. Einen vergleichbar hohen Wanderungsgewinn gab es zuletzt 2001. Im Jahr 2010 lag er den Angaben zufolge bei 128.000.

Am 27. Januar wurde am jährlichen Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Wirtschaft und Politik. Während in anderen Euroländern die Wirtschaft stagniert oder gar schrumpft, ist die deutsche Wirtschaft im Jahr 2011 wieder kräftig gewachsen: Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) war um drei Prozent höher als im Vorjahr. Damit setzte sich das Wachstum auch im zweiten Jahr nach der Wirtschaftskrise fort. 2010 stieg die deutsche Wirtschaftsleistung um fast vier Prozent, nachdem sie im Jahr zuvor im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise um mehr als fünf Prozent eingebrochen war. Das Vorkrisenniveau wurde im Jahresverlauf 2011 überschritten. Doch vorsichtig! Im 4. Quartal wurde das Wachstum abgebremst.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Abgesehen von dem üblichen Saisoneffekt, zeigte sich der Arbeitsmarkt zum Jahresende robust. Im Jahresdurchschnitt sind 2,98 Millionen Arbeitslose registriert gewesen. Noch weniger Arbeitslose hatte es zuletzt 1991 gegeben. Dies waren 263.000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte auf 7,1 Prozent. Es gibt so viele freie Stellen wie nie. Im Dezember sind 2,78 Millionen Arbeitslose registriert gewesen. Dies sind zwar 67.000 mehr gewesen als im November, aber 231.000 weniger als vor einem Jahr.

Das Automobil feiert 125-jähriges Jubiläum. Die Automobilindustrie bleibt eine Wachstumsbranche. In Deutschland ist heute etwa jeder zweite Mensch „auto“-mobil, weltweit wurden seit der Erfindung des Automobils durch den Konstrukteur Carl Benz im Jahr 1886 rund 2,4 Milliarden PKW verkauft. Für 2011 rechnet der deutsche Branchenverband mit rund 66 Millionen verkauften Autos weltweit. Trotzdem gibt es allein in China, Indien und Russland noch rund zweieinhalb Milliarden Menschen ohne Auto. Die Zukunft gehört dem Elektro-Auto, aber es ist heute noch sehr teuer. Heute läuft der Verkauf von Elektro-Autos mit Batterie und Brennstoffzellen noch in sehr „homöopathischen Dosen“. Aber auch Carl Benz hatte ganze zwei Jahre nach der Erfindung des Automobils noch kein einziges Auto verkauft.

Der Außenhandel sichert in Deutschland fast zehn Millionen Arbeitsplätze. Der gesamteuropäische Markt ist nach wie vor der wichtigste. Das hat eine Studie des Forschungsinstituts Prognose ergeben. Dass die Exporte besonders wichtig sind für die Beschäftigung in Deutschland, ist das keine neue Erkenntnis. Doch bei bisherigen Berechnungen ging man stets davon aus, dass diese Arbeitsplätze in der Industrie zu finden sind – beispielweise im Auto- und Maschinenbau, mit 490.000 beziehungsweise 730.000 Arbeitnehmern. Dem Prognose Globalisierungsreport zufolge arbeiten in der Exportindustrie insgesamt rund 4,4 Millionen Menschen. Aber fast fünf Millionen arbeiten außerdem indirekt für den Außenhandel – zum Beispiel in Ingenieurbüros, in Sicherheitsfirmen oder auch im Reinigungsgewerbe.

Bundespräsident Wulff gerät in der Affäre um seinen Hauskredit weiter unter Druck. Die „Bild“-Zeitung bestätigte, dass er mit Drohungen versucht habe, erste Veröffentlichungen über den Vorgang zu verhindern. Die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hatten zuvor berichtet, in dem Telefonat habe Wulff mit dem endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag gedroht, sollte der Bericht dennoch erscheinen. Die Redakteure nannten das eine „unglaubliche Geschichte“, sie glauben, dass der „Rubikon“ überschritten ist. In der Debatte um den Bundespräsidenten gab es neue Vorwürfe: Ein Film-Produzent soll einen Teil von Wulffs Hotelkosten während eines Münchenbesuchs übernommen haben. Wulff hat davon angeblich nichts gewusst. Der Druck auf Christian Wulff lässt nicht nach. Inzwischen kam heraus, dass unter ihm als Regierungschef von Niedersachsen öffentliche Gelder für ein PR-Treffen geflossen sind, was Wulff stets verneint hatte. Nun wird sogar schon darüber diskutiert, wer sein Nachfolger werden könnte. SPD-Chef Sigmar Gabriel bot Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Zusammenarbeit seiner Partei an, um eine geeignete Persönlichkeit zu finden. „Die SPD wollte und will keinen parteipolitischen Streit um das Amt des Bundespräsidenten“, sagte Gabriel.

In einem „Dialog über Deutschland“ will die Bundeskanzlerin mit Bürgern und Experten über breit angelegte Zukunftsfragen diskutieren: Wie wollen wir zusammenleben? Wie wollen wir lernen? Wovon sollen wir leben? Es soll um Grundsätzliches gehen, um Leitlinien für die Politik der Zukunft, um die Folgen des demographischen Wandels, die Herausforderungen durch die technische Entwicklung oder um Integration und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Dreimal will Merkel im Rahmen dieses Dialogs  mit Bürgern zusammentreffen. Je 100 von ihnen sollen in Erfurt, Heidelberg und Bielefeld in so genannten „Town-Hall-Meetings“ diskutieren, über das Internet können sich Interessierte noch bis August einbringen.

Die Geheimdienste konnten sich ab Januar 2002 Auskünfte über vermeidliche Terrorverdächtige bei Banken, Fluggesellschaften und Telekommunikationsunternehmen einholen und sie auch über ihre Handys orten lassen. Entsprechende Daten konnten bisher bis zu 15 Jahren gespeichert werden. In dem Terrorismusbekämpfungsgesetz, welches am 14. Dezember 2001 im Bundestag verabschiedet wurde, waren  23 Gesetzesänderungen und zahlreiche Rechtsverordnungen enthalten. Betroffen von den Neuregelungen sind unter anderem der Verfassungsschutz, der Bundesnachrichtendienst, das Bundeskriminalamt, der Bundesgrenzschutz und der Militärische Abschirmdienst. Durch das neue Gesetz wurden die Befugnisse der Geheimdienste deutlich ausgeweitet. Mit einem Bündel von Maßnahmen will die Bundesregierung jetzt den braunen Sumpf trocken legen. Das Terror-Abwehrzentrum arbeitet bereits. Polizei und Geheimdienste sollen ihre Erkenntnisse künftig zentral speichern dürfen.

Geschichte. In seinem aktuellen Buch „Das Ende – Kampf bis in den Untergang“ geht der 68-jährige britische Historiker  Ian Kershaw der Frage nach, warum das „Dritte Reich“ auch in der apokalyptischen Schlussphase des Kriegs noch relativ reibungslos funktionierte. Noch im April 1945 wurden in Deutschland Löhne und Gehälter bezahlt, die Berliner Philharmoniker traten mit Konzerten auf, der FC Bayern München spielte Fußball, die deutschen Truppen wurden mit Waffen und Munition beliefert. Der Historiker fragt, wie das möglich war: Warum hat das deutsche Volk den Wahnsinn des Krieges bis zum unaufschiebbaren Zusammenbruch erduldet, ohne wie im November 1918 einen Aufstand vom Zaun zu brechen? „Die Antwort ist ganz einfach“, so Kershaw. „Sie lautet: Terror. Der Terror durch den nationalsozialistischen Unterdrückungsapparat war so groß, dass eine Revolution von unten unmöglich war.“

Das ehemalige Arbeitszimmer von Erich Mielke wurde originalgetreu wieder hergestellt. Bis Ende 1989 war es der Zentralpunkt der DDR-Geheimpolizei. Ihr Auftrag: Spionieren, unterdrücken, verfolgen. Jetzt erlebt man hier authentisch Geschichte.

Die Redaktion wünscht den Lesern ein erfolgreiches neues Jahr!

1. Januar 2012

Politik und Wirtschaft. Bundespräsident Christian Wulff hat sich in der Affäre um seinen Hauskredit und kostenlose Urlaube in Unternehmer-Villen öffentlich entschuldigt. Zugleich beteuerte er in seinem Amtssitz, dem Berliner Schloss Bellevue, dass er nie als Amtsträger jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt hat. Das Staatsoberhaupt bekräftigte, dass er trotz der massiven Kritik im Amt bleiben will.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel in einem Kondolenzschreiben als „großen Europäer“ gewürdigt. „Gerade auch wir Deutsche haben ihm viel zu verdanken. Sein Einsatz für Freiheit und Demokratie bleibt ebenso A. Klaus.

Christian Lindner legte sein Amt als FDP-Generalsekretär nieder. In einem Gespräch mit Parteichef Philipp Rösler erklärte er seinen Rücktritt. Der 32-Jährige Lindner war in der parteiinternen Debatte um den Euro-Rettungsschirm in die Kritik geraten. Das Verhältnis zu Rösler galt schon seit längerem als angespannt. Lindner war noch von Ex-Parteichef Guido Westerwelle in das Amt geholt worden. Seit Monaten liegt die FDP in Umfragen unter der Fünf-Prozent- Hürde. In diesem Jahr ist sie aus mehreren Landtagen geflogen.

Der Tarifausschuss beim Bundesarbeitsministerium stimmte der von Arbeitgebern und Gewerkschaften vorgeschlagenen Lohnuntergrenze zu. Im Westen soll diese bei einem Stundenlohn von 7,89 Euro liegen, im Osten bei 7,01 Euro. Insgesamt zehn Branchen profitieren von den neuen Regelsätzen: 13,70 Euro ist der höchste Mindestlohn, den ein Leiharbeiter verdienen kann – allerdings nur, wenn er in der Baubranche eingesetzt wird.

Dieser Winter kann für Gas- und Stromkunden vielerorts mal wieder ein richtig teurer werden. 285 Anbieter wollen spätestens im Februar 2012 ihre Preise erhöhen. Strom soll ab Jahresbeginn durchschnittlich 4,5 Prozent mehr kosten, Gas 8,3 Prozent. Am stärksten – nämlich bis zu 22,4 Prozent – ziehen die Preise bei der Energiegenossenschaft Nordwest (Niedersachsen), der Elektra Genossenschaft Pinzberg (Bayern), sowie den Stadtwerken Schwentinental (Schleswig-Holstein) an.

Der internationale Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks baut massiv Stellen ab. 17.000 Angestellte werden freigesetzt. Nahezu jeder vierte Job soll in den nächsten zwei Jahren abgebaut werden. Auch in Deutschland werden tausende Kündigungen erwartet. Weltweit hatte Nokia Siemens Networks zuletzt rund 74.000 Beschäftigte.

Die Bürgermeister von Halle (Westfalen), Versmold, Steinhagen und Borgholzhausen rufen die Bürger zum Widerstand gegen die Bundesregierung auf und organisieren eine Demonstration. Sie wollen, dass die Autobahn 33 endlich weitergebaut wird. Die A33 soll später einmal Osnabrück und Bielefeld verbinden. Bisher endet die Autobahn vom Norden her direkt an der niedersächsischen Grenze in Borgholzhausen. Offen bleibt nur noch das zwölf Kilometer lange Teilstück über Versmold und Halle. Und deren Bürger leiden ganz besonders unter der Lücke. Fast 20.000 Fahrzeuge donnern täglich durch die Orte. Die Bürgermeister wollen am 9. Januar ein Aktionsbündnis A33 gründen und dann bereits am 13. Januar demonstrieren.

Vor 40 Jahren, am 4. Dezember 1971 eröffnete im Münchner-Stadtteil Giesing McDonald's mit selbstgeschälten Kartoffeln die erste Filiale in Deutschland und brachte damit das Fast-Food in die Bundesrepublik. Damit hat die Kette unsere Essweise revolutioniert. Pommes oder Pizza? Sandwich oder Sushi? Thai-Suppe oder Thunfischsalat? Nie war das Fast-Food-Angebot in den deutschen Städten so bunt wie heute. Zehntausende Döner-Buden, Sandwich-Stände, Salatbars und Suppenküchen locken mit dem schnellen Essen unterwegs. Heute ist Fast-Food ein fester Bestandteil der deutschen Esskultur – so wie der Sonntagsbraten.

Gesellschaft. Am 16. Dezember nahm das Gemeinsame Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus in Köln und Meckenheim seine Arbeit auf. Das Abwehrzentrum soll vor allem den Informationsaustausch zwischen den polizeilichen und nachrichtendienstlichen Stellen aus Bund und Ländern verbessern. Insgesamt sollen 130 bis 140 Mitarbeiter für das Abwehrzentrum arbeiten. Schwerpunkte der Arbeit sollen etwa tägliche Lagebesprechungen, Fallanalysen, Strukturanalyse, Beurteilung von Gefährdungen und der Austausch über operative Schritte sein.

In Bielefeld demonstrierten am 24. Dezember etwa 6.500 Bürger gegen einen genehmigten Aufmarsch von Rechtsextremisten. Mehrere Hundertschaften der Polizei konnten vereinzelte Zusammenstöße der beiden Gruppen nicht verhindern. Auf einer knapp einen Kilometer langen Demonstrationsstrecke marschierten rund 70 Rechtsextremisten durch ein Arbeiterviertel. Der Demonstrationszug der Rechtsextremisten kam bei einer Unterführung zum Stehen. Von einer Eisenbahnbrücke hatten Gegendemonstranten Steine und Obst auf die darunter marschierenden Neonazis geworfen.

Kultur. Das Frankfurter Museum Städel hat seit dem 15. Dezember seine Sammlung „Alte Meister“ wieder geöffnet. Neu gehängt und frisch herausgeputzt erstrahlen die weltberühmten Meisterwerke des Museums. Erstmals zu sehen sind spektakuläre Neuzugänge von Raffael, Il Guercino und Cranach. Die gesamte Altbausanierung ist abgeschlossen. Erleichtert zieht Städel-Direktor Max Hollein die Bilanz nach rund 18 Monaten Sanierungs- und Umbauarbeiten mit Kosten von 18 Millionen Euro, unter anderem für die neuen feuerfesten Türen und das neue Dach, vom neuen Parcours durch die Ausstellungsräume bis zum Reinigen der kostbaren Gemälde.

Mit sehr persönlichen Exponaten fragt eine Ausstellung in Marburg, was für Menschen die berühmten Brüder Grimm waren. Diese Ausstellung ist bis 1. Juni 2012 geöffnet. Die Ausstellungsmacher hatten Zugang zu einem Teil des persönlichen Nachlasses von Jacob und Wilhelm Grimm, der im Staatsarchiv in Marburg auf 18 Regalmetern aufbewahrt wird. Und so zeigt die Schau persönliche Erinnerungsstücke, Manuskripte oder Erstausgaben der berühmten Märchensammler und Sprachforscher.

Sport. Am 17. Dezember hat Andreas Birnbacher für die deutschen Biathlon-Männer den ersten Weltcupsieg der Saison beschert. Der 30-Jährige Birnbacher aus Schleching verbesserte sich im Verfolgungsrennen im österreichischen Hochfilzen mit fehlerfreier Schießleistung nach 12,5 Kilometern um 25 Plätze und gewann im Zielsprint vor dem ebenfalls fehlerfreien sechsmaligen Olympiasieger Ole-Einar Björndalen aus Norwegen. Birnbacher hatte sein erstes Weltcuprennen im März 2001 in Oslo im Sprint gewonnen.

Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck versucht sein Glück im Schwergewicht. Er wird am 25. Februar in Stuttgart gegen den Russen Alexander Povetkin um den WM-Gürtel des Verbandes WBA boxen. „Ich will erster deutscher Schwergewichts-Weltmeister seit Max Schmeling werden“, erklärte 27-Jährige Huck. Er hatte 2009 den WM-Titel des Weltverbandes WBO erobert und ihn seitdem achtmal erfolgreich verteidigt.

1. Dezember 2011

Politik und Wirtschaft. Ein neuer Anlauf zum Verbot der rechtsextremen NPD wird erwogen. Nach der Mordserie durch Neonazis mit mindestens zehn Toten will Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nun prüfen, ob ein Verbotsverfahren erneut möglich ist. 2003 war der erste Versuch gescheitert, ein NPD-Verbot durchzusetzen. Angela Merkel hat am 23. November zum gemeinsamen Kampf gegen Extremismus aufgerufen. Die Kanzlerin sagte, die Mordserie durch Neonazis sei ein Angriff auf das demokratische Gemeinwesen. Merkel begrüßte den Vorschlag von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Hinterbliebene aus dem Fonds für Opfer extremistischer Übergriffe zu entschädigen.

Die Bildung einer Großen Koalition in Berlin ist abgeschlossen. Neun Wochen nach der Abgeordnetenhauswahl haben SPD und CDU am 21. November dem ausgehandelten Koalitionsvertrag zugestimmt. Klaus Wowereit steht damit vor seiner dritten Amtszeit als Regierenden Bürgermeister. Während die CDU-Delegierten einstimmig grünes Licht für die Regierungszusammenarbeit gaben, gab es auf dem SPD-Landesparteitag einige Gegenstimmen.

Für den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit keine strafrechtlichen Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den CSU-Politiker gegen die Zahlung einer Geldsumme eingestellt. Wie die Anklagebehörde mitteilte, musste Guttenberg in Abstimmung mit dem Amtsgericht 20.000 Euro an die Deutsche Kinderkrebshilfe zahlen, deshalb wird es nicht zu einer gerichtlichen Hauptverhandlung kommen.

Im Kampf gegen Preistreiberei an Tankstellen will Wirtschaftsminister Philipp Rösler den Ölmultis Schranken setzen. Er will den großen Ölkonzernen verbieten, Benzin an freie Tankstellen teurer zu verkaufen als an den eigenen Zapfsäulen.

Die Reallöhne in Deutschland werden nach Einschätzung von Volkswirten im kommenden Jahr steigen. Die effektiven Stundenlöhne dürften sich 2012 im Durchschnitt um 2,7 Prozent erhöhen. Bei einer erwarteten Preissteigerung von 1,9 Prozent bliebe ein Reallohnzuwachs von 0,8 Prozent. Für dieses Jahr wird eine reale Einkommenssteigerung von durchschnittlich 0,5 Prozent erwartet.

Die Arbeitgeber und die Gewerkschaft IG Metall einigten sich am 22. November nach mehr als elfstündigen Verhandlungen in Düsseldorf darauf, dass die etwa 75.000 Stahlarbeiter in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen ab dem 1. Dezember 3,8 Prozent höhere Löhne und Gehälter erhalten sollen. Der Vertrag gilt bis Ende Februar 2013. Außerdem einigten sich beide Parteien darauf, dass Lehrlinge in Zukunft unbefristet übernommen werden sollen.

Der Energiekonzern „Eon“ hat die Mitarbeiter der großen deutschen Standorte darüber informiert, wie das Unternehmen umstrukturiert werden soll. Der Konzern hat angekündigt zu sparen. Von den weltweit 80.000 Stellen sollen bis zu 11.000 abgebaut werden, besonders in der Verwaltung und in Deutschland. In München, Essen, Hannover und Düsseldorf gab es Betriebsversammlungen.

Gesellschaft. An deutschen Hochschulen haben sich in diesem Jahr erstmals mehr als 500.000 Studienanfänger eingeschrieben. Das entspricht laut Statistischem Bundesamt einem Plus von 16 Prozent gegenüber 2010. Mehr als jeder zweite Bundesbürger der entsprechenden Altersgruppe nahm ein Studium auf, die Studienanfängerquote stieg um zehn Prozentpunkte auf 55 Prozent. Hauptgründe für den starken Anstieg seien die doppelten Abiturientenjahrgänge in Bayern und Niedersachsen sowie die Aussetzung der Wehrpflicht.

Kultur. In einem Dortmunder Museum säuberte eine Putzfrau eine Gummiwanne. Leider gehörte der schmutzige Trog zu einer Installation des Künstlers Martin Kippenberger. Das Kunstwerk ist unwiederbringlich verloren. Der Vorfall habe sich bereits um den 20. Oktober bei Putzarbeiten im Museum Ostwall ereignet. Das Werk aus dem Jahr 1987 hat einen Versicherungswert von etwa 800.000 Euro. Die Installation stellt einen Turm aus Holzlatten dar und war dem Museum erst Anfang dieses Jahres von einem Sammler ausgeliehen worden.

Ein sensationeller Fund hinter der Leinwand eines Edvard Munch-Gemäldes steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung in der Bremer Kunsthalle. Vor sechs Jahren entdeckten Restauratoren das Bild „Mädchen und drei Männerköpfe“ – eine bis dahin völlig unbekannte Komposition von Munch. Es stellt ein scheu wirkendes junges Mädchen dar, dem drei übermächtig wirkende körperlose Männerköpfe mit fratzenhaften Gesichtern gegenübergestellt sind. Das Bild befand sich hinter einem anderen Munch-Gemälde aus dem Bestand der Bremer Kunsthalle mit dem Titel „Das Kind und der Tod“ von 1899.

Kriminalität. Im Kölner Kunstfälscherprozess hat das Landgericht Haftstrafen bis zu 6 Jahren gegen die vier Angeklagten verhängt. Die höchste Strafe erhielt der Drahtzieher, der Maler Wolfgang Beltracchi. Das Quartett hatte gestanden, über Jahre gefälschte Meisterwerke der Avantgarde in den Kunstmarkt geschleust und dafür Millionenbeträge kassiert zu haben. Nur neun Verhandlungstage brauchte das Kölner Landgericht, um das wohl größte Kunstfälscher-Verfahren der Nachkriegszeit in Deutschland zum Abschluss zu bringen.

Sport. Sebastian Vettel hat den 19 Jahre alten Rekord von Nigel Mansell eingestellt. Er war beim Großen Preis von Abu Dhabi zum 14. Mal in dieser Saison auf der Pole- Position. Vettel war im spannenden Qualifying für das vorletzte Saisonrennen um etwas mehr als eine Zehntelsekunde schneller als der Brite Lewis Hamilton im McLaren. Auf Rang drei folgte Hamiltons Landsmann und Teamkollege Jenson Button.

Erst per Fotofinish fiel bei der Straßen-Radweltmeisterschaft in Kopenhagen die Entscheidung. Andre Greipel gewann dabei die Bronzemedaille, Weltmeister wurde der Brite Mark Cavendish. Mit insgesamt fünf Medaillen war es aus deutscher Sicht die bislang beste WM.

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