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Ich bin für Euch, junge Leute!
Wladimir Kunow Übersetzer Herbert Pietzsch |
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5.
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2.
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1.
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Der Spötter
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Die Politik ist nicht das wichtigste in meinem Leben. Und doch habe ich, als vor einigen Jahren Wahlen abgehalten wurden, für mich erkundet, wie viel Parteien es in Deutschland gibt (nicht wenige!) und wie viele es in den Bundestag geschafft haben ( nicht so viele). Und als die nächsten Wahlen angekündigt wurden, beschloss ich letztendlich, eine Partei für mich auszusuchen. Welche? Lange auszuwählen brauchte ich nicht. Praktisch war die Wahl schon vorentschieden, als ich den Namen der Partei erfuhr. „Die Grünen“! Ich bin dafür! Mir gefallen alle ihre Losungen. Tatsächlich bin ich, wie sie auch, für Ökologie, für frische Luft, klares Wasser und viel, viel Grün. Das ist Liebe auf den ersten Blick. Und beim genaueren Hinsehen? Das sind gute junge Leute, redselige, sie sprechen gut, fließend… aber irgendwie geraten sie ins Schleudern. Die „Grünen“ – das sieht man ganz einfach im Namen und der Definition – sind für die Nähe zur Natur. Aber sie wohnen aus irgendeinem Grund in den Städten. Was hindert sie, sich auf dem Dorfe anzusiedeln, oder gleich auf einem abgelegenen Gehöft? Sich mit dem Garten, dem Feld, dem Wald, letztlich mit Tieren zu beschäftigen? Aber nein. Sie ziehen die Natur am Wochenende oder im Urlaub vor, und das nur, wenn Ihre Geschäfte sie nicht in der Stadt halten. Im Übrigen, ich bin auch in der Stadt geboren, aufgewachsen und an diese gewöhnt – deshalb verstehe ich sie. Wie sie auch, liebe ich die Natur in dosierten Portionen. Aber es gibt seltsame Themen. Sehr seltsame sogar. Zum Beispiel ihre Aversion gegenüber den Atomkraftwerken. Letztere haben in Deutschland niemandem etwas Schlechtes getan. Aber man liebt sie nicht, man liebt sie ganz und gar nicht. Übrigens, Kohle - und ähnliche Kraftwerke sind auch nicht nach ihrem Sinn. Die, wissen Sie, verschmutzen die Umwelt. Aber nicht einmal habe ich von irgendeinem von ihnen etwas gegen die Elektrizität gehört. Wo sollen wir sie hernehmen? Wie, woher? Es gibt doch eine Antwort. Sie verstehen alles. Man sollte Strom dort gewinnen, wo die Natur uns selbst die Energie für ihn gibt: am Wasser, vom Wind oder direkt von der Sonne. Die „Grünen“ traten so überzeugend auf, dass sie – so war es – in die Regierung vordrangen, Gesetze durchbrachten, heute Massen junger „Enthusiasten“ zusammenbringen und diese sich auf die Schienen vor friedliche Atomzüge legen. Übrigens hat sich herausgestellt, dass man vom Wasser niemanden überzeugen muss. Wasserkraftwerke sind schon alle im Lande erbaut, das Wasser ist ausgeschöpft, es gibt kein ungenutztes mehr, es ist zu Ende. Nicht schlimm, es leben die Windmühlen! Diese Losung ist gut, wenn man auf einem forschen Pferd in die Attacke reitet. Aber etwas habe ich mir von Spezialisten sagen lassen. Irgendwie passt hier etwas nicht zusammen. Die Windräder sehen natürlich sehr schön aus. Und wenn gar eine ganze große Gruppe von ihnen auf einem Hügel zusammensteht, sieht das noch prächtiger aus. Wenn wir aber die Kilowattstunden zu zählen beginnen, wird das Ergebnis schon lange nicht mehr so ansehnlich. Wie sich herausstellt, schafft jedes Windrad bei windigem Wetter von 0,005 bis 0,03 Prozent der Kapazität eines normalen Atomblockes. Man beachte: Der fleißige Block gibt seine Kilowatt 24 Stunden lang und bei jedem Wetter ab, das Windrad braucht ein Lüftchen. Wir haben gerechnet. Zum Austausch eines schlechten Atomblockes braucht man bis 50000 Tausend gute Windräder. Also hier kommt eine große Schärfe in die Diskussion. Wie viel Platz brauche ich denn für die Windräder? Doch dessen ungeachtet: Schon wurde eine Windradindustrie geschaffen, eine Wind- (oder vielleicht, „windige“?) Lobby! Los geht’s. Lasst den Kopf nicht hängen! Stell sie auf Hügel, ans Ufer des Meeres oder sogar ins Meer hinein. Lassen wir nicht den Verstand sprechen, sondern die Zahlen! Und wie sehen das die Vögel und das Meer? Selbst die Ökologen sind noch unschlüssig, aber Begeisterung und Zweifel lösen sich ständig ab. Doch wenn zu wenig beim Wind herauskommt, – dann bringt es die Sonne! Pompös und lärmend wurde eine Solarstation in Bayern gefeiert. Die größte in der Welt! Der Platz entspricht 30 Fußballfeldern. Eine Sonnenstunde gibt jedoch 150 Mal weniger Kilowatt, als ein Block im Atomkraftwerk. Und wieder sei gefragt: Wie viele Sonnenstunden gibt es pro Tag? Und im Herbst? Vor gar nicht langer Zeit, am Anfang dieses Jahrhunderts, haben die Spezialisten in Deutschland es ausgerechnet: Wasser- und Windkraft schaffen zusammen drei Prozent der benötigten Energie des Landes, dabei hauptsächlich die Wasserkraftwerke; die Windräder kommen zusammen nur auf ein halbes Prozent. Über die Sonne wurde nichts bekannt gegeben, man konnte keinen messbaren Prozentanteil benennen. Seitdem haben die Windräder zugelegt, um einige Prozent. Die Losung heißt: „Wir schaffen 20 Prozent!“. Niemand glaubt es, aber die Losung macht sich gut. Na gut, 20 Prozent, aber die restlichen 80? Wie es aussieht, haben die „Grünen“ alle ganz gut aufgeweckt. „Wo jagst du hin?“ – fragte ein russischer Klassiker. Und teilte mit: „Er gibt keine Antwort.“ Wenn man mit all den Gleichgesinnten auf den Schienen vor dem Zug liegt, kann man schlecht eine Antwort finden. Diese findet man in einem anderen Zustand und unter anderen Umständen. Die „Grünen“ sind gute junge Leute, aber sie brauchen mehr Augenmaß, mehr nüchternes Denken. In der Mehrheit sind sie zivilisiert, sie können vieles gut erfassen. Ihre Altersgenossen in China gingen unlängst einen ungewöhnlichen Weg. Sie schlugen ihre Professoren und bauten Heim-Hochöfen. Kleine Hochöfen, aber viele-viele, um sehr viel Metall zu produzieren. Die Professoren wurden geschlagen, aber Metall kam damit auch nicht zustande. Erkennen Sie das Gleichnis? So etwas passiert, wenn man Enthusiasmus unter großen Menschenmassen erzeugt. Aber wenn man erst mal nachdenkt? Das mag kompliziert sein, aber doch nötig. Es ist notwendig, Jungs. Und man muss nicht alles neu durchdenken, man hat schon früher nachgedacht. Da gab es hier im Lande so einen Denkenden – Hermann Oberth. Ihn kennen nicht alle, bekannter ist Werner von Braun, der Raketen auf London und auf den Mond schoss und Herrn Oberth seinen Lehrer nannte. Braun schickte dessen Ideen auf den Mond. Ich meine damit, dass Oberth ein ernsthafter Mann war, der sich in fast einhundert Lebensjahren so manches ausdachte. Und er vergaß auch die Energiegewinnung nicht. Noch im 20. Jahrhundert schlug er vor, große Sonnenbatterien auf Sputniken zu installieren und die gewonnene Elektroenergie mittels Laser den Menschen zuzuschicken. Das erschien aus dem Bereich der Phantasie zu sein. Als er jedoch nach dem ersten Weltkrieg die Rakete erfand, sah er zunächst auch wie Jules Verne aus. Lassen sie uns von den Schienen aufstehen und über den Ozean schauen: Dort wohnen doch schon viele ehemalige Deutsche. Sie lassen auch dort Windräder laufen, kennen jedoch auch deren Preis. Und sie bauen die Sonnenstation im Kosmos, eben gerade jetzt, in unserer Zeit. Und unsere „Grünen“ in Deutschland? Ich bin für Euch, ich bin einer der Euren. Jungs, auf geht’s! |
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