Ich bin für euch!

Teil II

 

Wladimir Kunow

Übersetzer Herbert Pietzsch

 

Eine Wahl – wie stolz das klingt!

Aus der Presse

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Lasst uns entscheiden, wählen zu gehen und zu wählen, bis die Urnen voll sind. Gut und einträchtig hat man in Südafrika gewählt, irgendwo haben sogar die Wahlscheine nicht ausgereicht.

In Deutschland, davon bin ich überzeugt, kann so etwas nicht sein und wird nicht vorkommen: man druckt ausreichend, und  ausreichend Platz in den Wahlurnen ist auch vorgesehen. Der Wähler muss nur eines entscheiden: für wen? Wem gebe ich meine Stimme?

Genau genommen, ist es nicht ganz so. Die Ausgangsfrage ist eine andere: sollte man überhaupt wählen? Viele lösen dies einfach und überzeugend: man muss nicht. Ihnen ist alles egal. Die Kandidaten unterscheiden sich kaum voneinander. Was macht es da für einen Unterschied, wen man wählt? Und sie gehen nicht hin, stimmen nicht ab.

Andere wiederum graben tiefer. Es gibt Unterschiede, wirklich. Der eine Kandidat erscheint irgendwie klüger als andere. Könnte er passen? Und wenn er klüger ist,  ist er dann besser? Das ist eine Streitfrage. Für wen ist er klüger? Vielleicht für sich selbst. Und was kann man Gutes von ihm erwarten? Aber für den Dümmeren stimmen, wäre wohl auch etwas seltsam. Vielleicht klären die das selbst, ohne mich?

Es gibt ein mathematisches Argument, an der Wahl nicht teilzunehmen. Wir Wähler sind 50 Millionen. Meine Stimme – ein Anteil von einem 1/50.000.000 (in Worten: ein Fünfzigmillionstel) – ändert gar nichts. Das heißt, ich brauch da nicht hin zu gehen, muss mir die Schuhsohlen nicht ablaufen. Und so weiter. Deshalb wählt die Hälfte der Stimmberechtigten gar nicht. Im Allgemeinen.

Und was ist mit der anderen Hälfte? Irgendwo im Unterbewusstsein sitzt die Hoffnung auf meine Partei, meinen Kandidaten. Dazu das Gedächtnis der Generationen: für das Stimmrecht haben unserer Vorfahren gekämpft. Und hat es erkämpft. Und ich? Ich habe dieses Recht fertig zugereicht bekommen und … Nein, man sollte auswählen und abstimmen.  Es ist notwendig, Jungs und Mädchen, Damen und Herren!

Ich für meinen Teil habe schon passende Kandidaten ausgesucht. Klare Sache: „Die Grünen.“ Nun werde ich versuchen, andere zu überzeugen. Habe ich doch das Recht, zu agitieren.

Ich bin ein Immigrant, und die „Grünen“ verhalten sich den Immigranten gegenüber besser als andere. Dabei ist das nicht nur eine Wahl-Aussage, das ist eine ganz durchdachte Entscheidung. Es hat sogar ein wenig überrascht, von der am romantischsten eingestellten Partei eine solch ziemlich pragmatische Meinung zu hören. Es ist bekannt, dass die Geburtenrate im Lande niedrig ist,  die Lebenserwartung hoch. Alte Menschen gibt es jetzt schon viele und es werden mehr, junge werden immer weniger. Das heißt, in einigen Jahrzehnten gibt es niemanden mehr, der die heute arbeitsfähige Generation, darunter die heutigen Politiker, ernähren wird. Und was heißt das? Man braucht Migranten, um die heute noch jungen, aber in der Zukunft immer älter Werdenden zu unterstützen. Das ist sehr konkret und einfach. Und der eine der beiden Vorsitzenden der „Grünen“ mit türkischer Herkunft bezeugt die Ernsthaftigkeit der Losung. Mehr noch, die „Grünen“ waren schon mal zur Macht durchgedrungen und haben dabei ihren selbstgestellten Auftrag nicht vergessen. Nur ihn zu realisieren, ist ihnen nicht besonders gelungen. Die anderen sind noch nicht bereit, diese einfache Wahrheit zu schlucken. Einfache Wahrheiten haben es immer schwerer, sich durchzusetzen, als kompliziertere, an die man sich aber gewöhnt hat… Das braucht Zeit.

Irgendetwas ist eigentümlich, sogar sehr. Den gesetzten, respektablen Bürger erscheinen die „Grünen“ oft ziemlich extravagant. Dabei sieht man an ihren Anführern, dass dies mit zunehmendem Alter vergeht.

Und noch eins: Sie sind für den Frieden. Migranten aus den ehemals kommunistischen Ländern lässt das aufhorchen. Ihre Heimatländer haben verzweifelt für den Frieden gekämpft, indem sie die gesamte Bevölkerung bewaffnet und Bomben gefertigt haben, für die mehrfache (um sicher zu gehen) Vernichtung alles Lebendigen. In diesem Kampf haben sie sich übernommen. Vielleicht geht es auch ohne einen solchen? Es sieht so aus, dass sie wohl nicht mehr darauf bestehen zu unterscheiden, was wofür gut ist. In diese Frage dringen die „Grünen“ ein.

Und für sie spricht noch ein wichtiges Plus: ein Minimum an Korruption. So sagen und schreiben sie. Und man kann es ihnen glauben. Die „Grünen“ waren nur sehr kurze Zeit  an der Macht, kürzer als andere, und wer gibt schon der Opposition Schmiergeld? Wie man das auch betrachtet, es ist ein wichtiger Fakt. Ist es nicht so?

Also fassen wir zusammen – ich bin für euch!

 

 

 

 

 

 

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