|
Mit den Augen der GUS-Auswanderer gesehen: Lüge ist Lüge Vadym Karliner Übersetzerin Anneke Sittner Das Leben ist ungerecht. Gewöhn dich daran. Bill Gates (aus einer Zeitung) |
|
Русский |
|
|
Zum Seitenende
Für
uns fotografiert man
In Wrozlaw
(Polen) Breslau-Wrozlaw
In
Sankt-Petersburg
Peterburger Mosaik
oder ein neues Treffen mit der Stadt
In
unserer Stadt und Umgebung
Der Erfinder
des Fahrrades Ein
tolles Fahrrad! In
der Welt der Kunst Ein poetisches Drehbuch Von
dem Halbjahrhundert und zwei Jahrhunderten... In Dresden mit dem Karamsin Mit
den Augen der GUS-Auswanderer gesehen
Der
Spötter Fabel
- Rätsel Literarische
Seite Gedichte von Byvshev Gedichte von Winogradow |
Dieser alten weisen Wahrheit, die der berühmte Unternehmer den Jugendlichen vermittelt (sieh Epigraph), begegnete ich schon als kleines Kind. Obwohl diese Wahrheit allem, was einem Kind beigebracht wird, widerspricht. Doch sie war so offensichtlich und überzeugend in ihrer Erscheinung, dass der Eindruck bis heute noch lebendig ist. Ganz zufällig wurde ich Zeuge bei einem Streit zweier Jugendlicher. Einer von den beiden ließ aus Versehen das Foto eines Mädchens fallen. Der andere griff nach dem Bild und äußerte sich abwertend (ich kann mich nicht mehr erinnern, was das genau war). Ein Streit ist entflammt, eine Prügelei war im Kommen. Da näherte sich ihnen ein erwachsener, etwa 20järiger Mann und fragte mit strengem richterlichen Ton: „Was ist hier los?“. Der Beleidigte erklärte eifrig sein Anliegen, während der Beleidiger schweigend da stand. Der „Richter“ hörte eine Weile zu, ohne zu unterbrechen, dann schlug er unerwartet den Beleidigten heftig ins Gesicht. Derjenige schwankte durch den heftigen Schlag und bedeckte sein Gesicht mit den Händen. Der junge Mann drehte sich um und ging weg. Der Beleidigte hat sicher verstanden, was das für ein „Richter“ war, ich aber bekam eine Lektion über Gerechtigkeit. In den täglichen Nachrichten, in den auf Objektivität zielenden Kommentaren der Politiker und Journalisten, strömen Engagement und Zweideutigkeit wie aus einem Füllhorn. Geschickte Maskierung und Ausweichung sind die üblichen Tricks, doch manche sind schon so offensichtlich, dass man nicht mal ums Verbergen bemüht ist. Alles wird einfach als unantastbare Wahrheit dargestellt, die in höherer Instanz festgelegt wurde. Ein gutes Beispiel ist die Geschichte mit dem Referendum in Griechenland oder, um es genauer zu sagen, die Absage dieses Referendums. Der standhafte Ministerpräsident, der in diesen schweren Zeiten die Regierung leitete, kämpfte lange, doch am Ende gab er auf. Zwischen zwei Parteien zerrissen – den Kreditoren und dem eigenen Volk – schlug er vor, die Entscheidung auf die demokratische Weise zu treffen, durch ein Referendum. Doch die Kreditoren – alle selber große Demokraten – regten sich einstimmig auf: „Was für ein Referendum?! Auf keinen Fall!“ In der Tat, wie kann man in einem so ernsten Fall Demokratie spielen? Wie kann man dem unvernünftigen Demos wichtige Entscheidungen überlassen? Zum Teufel mit der Demokratie samt dem Ministerpräsidenten. Und er wurde verjagt. Und kein einziger demokratischer Sender und keine einzige demokratische Zeitung gaben einen Piep von sich. Alles in Ordnung, weiter so, demokratische Jungs. Noch einige Beispiele, die so in der Welt kreisen. Der Transporter. Die Welt leidet unter Terroranschlägen. Die Kontrollen wegen Metall, Fingerabdrücke usw. sind schon alltäglich geworden. Alle zivilisierten Länder entwickeln spezielle Einheiten zum Kampf gegen die Attentäter. Russland leidet auch unter Terror. Es leidet und… verkauft Waffen an die Terroristen. Die Antwort auf alle Fragen ist einfach bis zu Frechheit: „Wir verkaufen an den, der zahlen kann. Wir brauchen Geld“. Ein Prominenter wurde auf frischer Tat ertappt: während der Verhandlungen. Doch seine Kollegen nehmen ihn auf übliche Weise in Schutz: Er sei nicht der Wolf, er ist das Schaf. Er ist bloß der Verantwortliche für Transporte. Wie kann er wissen, was da transportiert wird? Alle Container sind abgeschlossen und versiegelt. Er transportiert nur die Lasten. Und mit großen klaren Augen blicken der Prominente und seine ihn schützende Regierung der Welt in die Augen. Der ungeschickte Händler wird natürlich verhaftet, doch was ist mit dem Rest? Gar nichts. Sie werden weiter leben wie zuvor. Niemand redet von Sanktionen. Ganz im Gegenteil werden sie in die WTO aufgenommen! Falls jemand es noch nicht weiß, WTO ist die World Trade Organisation, also die Organisation für ehrlichen internationalen Handel. Die weiteren Transportleiter. Sie pendelten mit Transportflugzeugen zwischen Russland, Tadschikistan und Afghanistan. Was sie mitgeführt haben, wird nicht erwähnt, doch sicher etwas Wichtiges. Schon wieder irgendeine Privatfirma, die Staaten wissen aber nichts davon. Und plötzlich ein Fehltritt. Einer hat sich mit jemandem schlecht vertragen. Die Tadschiken stecken die Sündenböcke (die Kapitäne der Flugzeugsbesatzungen) ins Gefängnis. Das heißt, sie, die Bösen, fliegen hier ohne Erlaubnis. Nach einer Weile erinnern sich die russischen Chefs an sie und schlagen Alarm. Was soll das? Die Tadschiken kommen ohne uns nicht aus und erlauben sich aber so was?! Der Präsident selbst war sehr besorgt. Immerhin sind das unsere Piloten. Unverzüglich freilassen! Was dort in Wirklichkeit vorgefallen ist, das sagt niemand, und die Wahrheit ist nicht zu erfahren. Ist immerhin spannend, was sie dort, in Konfliktregion mit den Transportflugzeugen transportiert haben? Und für wen? Der Diktator. Er regierte sein Land eine ganze biblische Epoche lang: 40 Jahre. Er hielt seine Untertanen in Angst mithilfe der sowjetischen Waffen. Er erhob Anspruch auf ganz Afrika und erzog die internationalen Terroristen. Als der sowjetische Staat in der Geschichte versank, tarnte er sich als Schaf. Die Sünden hat er mit dem Erdöl beglichen und befreundete sich mit allen Demokraten und Autokraten. Er hat sich vertragen mit Regierungen und auch mit Frauen. Die ukrainischen Damen in seinem Harem waren entzückt über einen so netten schönen Mann. Und die Untertanen wurden gut gefüttert, niemand ist vor Hunger gestorben. Doch ist der Mann vielleicht mit dem Alter nicht mehr genügend wachsam gewesen. Seine nächsten Kollegen wollten auch endlich am Steuer sein und haben einen Aufstand angestiftet. Da sie nicht genug Kräfte hatten, haben sie sich vorsorglich mit den Mächtigen der Welt verbündet. Mit ganzer Weltmacht stürzte man den Anführer und erledigte ihn. Sie haben ihn besiegt, doch bleibt unklar, warum die Sieger etwas Besseres seien sollten? Und die Mächtigen der Welt, die ein halbes Jahr lang logen, dass sie die Hungernden vor dem Tyrannen retten, können jetzt selbst nicht verstehen, wofür sie gelogen haben. Die Unglücklichen von gestern sind die Sieger von heute – aber sind sie etwas Besseres? Und mit wem soll man nun verhandeln? Wer wird nun der neue Tyrann in dem unglücklichen Land? Und die Schlauen, die abseits standen, kommentieren: Lügen ist nicht gut und daraus wird nichts Gutes. Das ist immerhin wahr. Der Terrorismus. Die ganze zivilisierte Welt ist damit einverstanden, dass Terroristen die Bösen sind. Die Attentäter in Afghanistan sind schlechte Menschen. Und auch in Pakistan. Auch die terroristischen Kurden in der Türkei sind schlecht. Die Bösen regieren in Iran. Sie unterstützen einige Terroristen und drohen mit der Atombombe. Die bösen Kämpfer gibt es auch in Afrika und in Europa (sowie Linke als auch Rechte). Also, alle Terroristen sind schlechte Menschen. Aber doch, es gibt Ausnahmen. Die palästinensischen Terroristen sind die Unglücklichen. Das heißt, sie sind dann die Guten…, aber Israel ist der Böse, es hat sie unglücklich gemacht. Es gab doch dort nie das Land Israel! Erst die Europäer haben es gegründet! Und das ist wahr. Vor 70 Jahren gab es Israel nicht. Und Palästina gab es nicht. Und auch Irak und Syrien und viele andere gab es nicht. Vor 100 Jahren gehörte das alles zu dem Osmanischen Reich. Jetzt, anstatt des Reiches, sind die Türkei und mehrere andere Länder daraus geworden. Und das alles dank Europa. Alle Länder bauen ihr Leben auf unterschiedliche Weise auf. Jedes so wie es das am besten kann. Alle, außer den Palästinensern. Sie leben in den Lagern und kaufen Waffen. Ihr Ziel ist nicht das eigentliche Leben, sondern die Vernichtung des Israels. Deswegen sind sie unglücklich. Deswegen hat die Welt Mitleid mit ihnen und gibt Almosen, d.h. Hilfe. Manche sogar fahren zu ihnen mit den Jachten, angeblich bringen sie Hilfe, aber die Jachten sind leer. Wieso denn? Zu viel wird hier gelogen. Das Geld. Alle mögen Geld. Manche sogar außer jedem Maß. So dass sogar der stille Monat der weihnachtlichen Fastenzeit zum Monat der fabelhaften Verkaufsshow gemacht wird. Und zu der Show lockt uns ein verführerischer Engel mit entblößten Hüften. Ich verstehe, dass Religiosität heute aus der Mode ist, doch muss man das unbedingt so weit treiben? Sind alle gleich? Natürlich nicht. Es gibt Feinheiten. Es gibt demokratische Länder – so nennen sie sich. Um ehrlicher zu sagen, das sind Länder mit der öffentlichen politischen Konkurrenz. Die Konkurrenten können einen entlarven, deswegen muss man vorsichtig lügen. In den Ländern, wo solche Konkurrenz nicht vorhanden ist, wird einfacher, unkomplizierter gelogen. Es gibt auch andere Feinheiten. Zwei russische Neureiche haben neulich ausführlich über einander bei Gericht berichtet… in London. Man erfuhr, dass die Regierung sich ein Privatunternehmen durch ganz einfache Maßnahmen aneignen kann. Man muss nur den Leiter austauschen und den Bank informieren, wer nun der Chef ist. Der ehemalige Leiter verlässt entweder das Land oder wird ins Gefängnis gesteckt. Die Gründe dafür findet man im Notfall. Das ist in dem Fall, wenn das Unternehmen von nationaler Größe ist, z.B. ein Fernsehsender. Falls das Unternehmen von internationalem Niveau ist, dann hat man nur ein paar mehr Formalitäten zu erledigen. Das alles bezeichnet sich hochmutig als Politik. Einfacher wäre es, das einfach als Lüge zu bezeichnen. Dezember 2011 |
"Stimme im Internet" Alle Rechte vorbehalten