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Vor zwei Jahrhunderten Das Schicksal eines Helden der Revolution Vadym Karliner Übersetzerin Anneke Sittner
Sic transit gloria mundi. (lat.: So vergeht der Ruhm der Welt) |
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Der südliche Teil Dresdens erhebt sich über die Stadt und bietet eine natürliche Aussichtsplattform, vor der sich eindrucksvoll, die an der Elbe liegende sächsische Residenz ausbreitet. Als Wahrzeichen der Vereinigung des Landes 1871 wurde auf der „Plattform“ ein Bismarcksturm errichtet, und etwas weiter unten, im Schatten der Bäume, steht ein unauffälliges eckiges Denkmal, von einem bescheidenen Gitterzaun umgeben. An dem Denkmal steht eine deutsche Aufschrift: Moreau, der Held, fiel hier an der Seite Alexanders den XXVII August MDCCCXIII. Und ein kleines Schildchen, restauriert im Jahr 2002 mit Mitteln aus dem Nachlass von Frau Aloisa Sterath. Wer war denn dieser Moreau? Von welchem Alexander ist hier die Rede? Und was haben diese Menschen mit dem Dresdner Hügel zu tun?
Das Denkmal soll uns an die Ereignisse, die für die heutigen Generationen nicht besonders bekannt sind, erinnern. Vor zwei Jahrhunderten fand hier, in den Vororten von Dresden (das damals eine bedeutend kleinere Fläche einnahm) eine blutige Schlacht statt, bei der Tausende Soldaten aus verschiedenen Ländern ihr Leben ließen. Auch der berühmte französische General Moreau wurde hier tödlich verwundet. Alexander aber war der russische Kaiser, der zu jenem Zeitpunkt das Bündnis der europäischen Länder gegen den großen Eroberer Kaiser Napoleon angeführt hat. Was verband denn diese zwei Männer aus den zwei verfeindeten Ländern? Um diese seltsame Situation nachvollziehen zu können, erinnern wir an den romantisch-heroischen Zeitgeist der Großen Französischen Revolution und seiner Helden. In die Geschichte ist nur Napoleon Bonaparte eingegangen, dabei war er weit nicht der einzige General. Gleich nach der Revolution begann der Krieg Frankreichs gegen fast alle seine Nachbarländer, die versuchten, die früheren Machtverhältnisse wiederherzustellen. Einige bedeutende Generäle waren populär im Land; Bonaparte war einer von ihnen. Die meisten sind im Krieg gefallen bzw. durch seltene Krankheiten umgekommen (die damalige Medizin verstand noch nicht viel davon). Zu dem Zeitpunkt, als General Bonaparte sich entschieden hatte, die Macht im Lande zu ergreifen, war außer ihm nur noch einer aus der Anfangszeit geblieben: Moreau. Im Krieg Jean Victor Marie Moreau wurde 1763 in einer Advokatenfamilie geboren. Der Wind der Freiheit, der im Lande wehte, riss den jungen Mann mit und nach der Revolution trat er der Nationalgarde bei. Als ein Brigadegeneral wurde er zu der Armee von Pichegru geschickt, der im Norden Frankreichs gegen Royalisten kämpfte. Der Vorgesetzte hatte den jungen Offizier besonders geschätzt und ihn zum Divisionsgeneral ernannt. Später musste Moreau diese Armee auch selbst anführen. Die Revolutionsgegner im Norden wurden geschlagen und der inzwischen bekannt gewordene General erhielt das Kommando über die Rhein- und Moselarmee, diejenige Armee, die lange und erfolglos gegen Österreicher gekämpft hatte. Mit Moreau verbesserte sich die Lage. Die Französen siegten in mehreren Schlachten und die Armee marschierte auf die deutschen Territorien bis zur Donau ein. Allerdings wirkten gegen Österreich, das in der Zeit einer der größten europäischen Staaten war, auch andere bedeutende Streitkräfte, abgesehen von Moreau. Seine Armee wurde zerschlagen und Moreau musste seine Truppen zurück zum Rhein abziehen. Der Rückzug dauerte 40 Tage und die Armee erreichte mit minimalen Verlusten das französische Territorium. Diese Maßnahmen unter seiner Führung brachten Moreau trotz des Rückzugs zusätzliche Popularität in der Armee sowie im Lande ein. Der Krieg lief weiter, doch der erfahrene General blieb über 2 Jahre in Reserve. Das lag daran, dass sein alter Kampfgenosse, Pichegru, seine Unzufriedenheit mit der „selbstzufriedenen“ Regierung offen äußerte. Eine Regierung, die damals aus fünf Direktorien bestand, und die sich nur für die eigenen Gewinne interessierte, für die Nöte des Volkes aber nicht viel übrig hatte (ein wohlbekanntes Bild bis heute!). Pichegru wurde zum Exil verurteilt, floh von dort aber nach England, also zum Erzfeind Frankreichs. Der Schatten des Verdachts fiel auch auf Moreau. Trotzdem, als die Lage Frankreichs im Krieg wieder ungünstig war, sollte Moreau wieder Hilfe leisten. Norditalien sowie ein Teil von Österreich waren ein Jahr zuvor von Franzosen unter der Leitung des jungen Bonaparte erobert worden. Der noch kurz davor unbekannte General ist zum ersten Mal in einer bedeutenden Rolle aufgetreten und dadurch berühmt geworden. Doch im Jahr 1799 führte er einen Krieg in dem fernen Ägypten, während die russische Armee sich der österreichischen anschloss. Diese vereinigte russisch-österreichische Armee wurde von dem gefürchteten Suworow, dem „alten Skythen“, wie man ihn in Europa nannte, angeführt. Suworow stieß kraftvoll vor und schlug die französische Armee. Außerdem waren die Verbündeten stark in Überzahl. Als Moreau das Kommando über die kurz davor zerschlagene, aus 20 000 Mann bestehenden Armee übernommen hatte, bereitete die sich gerade auf eine Schlacht an dem Fluss Adda vor. Moreau schätzte die Situation kritisch ein und befahl den Rückzug. Er hatte es wieder fertiggebracht, geschickt dem Gegner auszuweichen und die Armee ohne Verluste zu erhalten. Suworow lobte ihn: „Moreau versteht mich, den alten Mann, gut. Ich freue mich, dass ich es mit einem schlauen Feldherren zu tun habe“. Doch die französische Regierung sah die Situation anders. Die der Sache fremden Direktorien wünschten Siege zu sehen und schickten einen anderen General, Joubert, der allerding einen großen Respekt gegen Moreau empfand. Er überzeugte Moreau, als sein Berater zu bleiben, und befahl den Angriff. Im August 1799 fand die Schlacht bei Novi statt. Joubert, der den Angriff anführte, wurde sehr bald getötet. Die Franzosen wurden zurückgeworfen. Moreau, der bis dahin nur eine Privatperson war, wurde von den Offizieren selbst zum Feldherrn ernannt. Sie erklärten ihm, dass sie auf seine Befehle warten. Moreau versuchte schon mitten in der Schlacht die Lage zu retten, stürzte sich selbst in den Kampf, zwei Pferde wurden unter ihm getötet, doch die fast dreifache Überzahl des Gegners entschied den Kampf. Die Franzosen wurden geschlagen, doch die Reste der Armee konnte Moreau über den Rückzug noch retten. Die bösen Zungen nannten ihn „den rückziehenden General“. In Wirklichkeit ließ er seine Soldaten nicht im Stich. Zum Vergleich: Napoleon überließ seine Armee zweimal ihrem Schicksal: 1799 in Ägypten und dann 1812 in Russland. Im Zuge der Militäraktionen 1799 wurde ein Teil der früheren Eroberungen verloren, doch Moreau gelang es, an seiner Front eine kampffähige Armee zu erhalten. In Paris wuchs die Unzufriedenheit mit den Direktorien. Im November 1799 nutzte Bonaparte die Situation und organisierte einen Machtumsturz. Moreau aber hatte keine politischen Ambitionen. Doch mit 300 Soldaten unterstützte er den Putsch, indem er zwei Regierungsmitglieder festsetzte. Nachdem Bonaparte die Macht erlangte, bekam Moreau die neue Rheinarmee unter sein Kommando und agierte erfolgreich gegen die österreichischen Truppen. Die Österreicher wurden in der entscheidenden Schlacht bei Hohenlinden geschlagen, die Franzosen besetzten Regensburg und München. Nach dem 10-jährigen Krieg wurde mit sehr günstigen Ergebnissen für Frankreich Frieden geschlossen. Das war ein großer Erfolg, der in Frankreich hoch geschätzt wurde. Doch seitens Napoleons rief er Neid hervor. Den großen Erfolg Moreaus beim Volk konnte er nie überwinden. Dem General wurden keine Aufträge mehr überlassen und seine Militärlaufbahn endete damit. Fortsetzung folgt September 2011 |
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