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Vor zwei Jahrhunderten
Das Schicksal eines Helden der Revolution Fortsetzung
Vadym Karliner Übersetzerin Anneke Sittner
Sic transit gloria mundi. (lat.: So vergeht der Ruhm der Welt) |
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Im Exil Moreau heiratete, kaufte sich ein Schloss und zog dort mit seiner Frau ein. Der 37-jahrige General entfernte sich von seinem Dienst und zog sich in sein Privatleben zurück. Moreau war ein überzeugter Republikaner, und sogar die Hinrichtung seines Vaters im Jahr 1794 vermochte nicht seine liberalen Ansichten zu erschüttern. Die Diktatur Napoleons konnte ihm natürlich nie gefallen. Er beobachtete, wie gegen die republikanische Ordnung verstoßen wurde, doch blieb er dabei untätig. Die Royalisten aber entschieden sich, Moreau auf ihre Seite zu locken. Sie waren in England und ihr Anführer, Cadoudal, schmiedete eine Verschwörung gegen Napoleon. Er hoffte, die von der Republik verstoßenen, aber einflussreichen Menschen dafür zu gewinnen: Pichegru und Moreau. Pichegru gab seine Einverständnis, und zusammen mit Cadoudal überquerte er heimlich La-Manche und erschien bei Moreau. Der General weigerte sich, sich dem Komplott anzuschließen, und die unerwünschten Gäste verließen sein Haus. Der sehr effektive, von Napoleon gegründete Geheimdienst, ertappte die Verschwörer und reichte die Nachricht an Napoleon weiter. Der Diktator, der mit dem Charakter und Lebensweise Moreaus gut vertraut war, war etwas überrascht über der Nachricht, befahl aber trotzdem, alle drei zu verhaften und zu richten. Im Jahr 1804 gab es die gerichtliche Verhandlung. Das revolutionäre Gericht entschied, Cadoudal zum Tode zu verurteilen. Pichegru erhängte sich in seiner Zelle mit seiner eigenen Krawatte. Diesem Selbstmord schenkten die Zeitgenossen wenig Glauben. Man vermutete, Napoleon wolle auf diese Weise ohne großen Lärm mit einem berühmten General der Revolutionszeit abrechnen. Moreau leugnete entschieden seine Mitwirkung an der Verschwörung. Bei der öffentlichen Gerichtsverhandlung hielt er eine feurige Rede, wobei er sich auf seine eigene Biographie und seine Mitwirkung an Napoleons Putsch bezog. Die zahlreichen Anwesenden begrüßten die Rede mit Begeisterung. Die Sitzung dauerte lange, und die Mehrheit der Stimmen sprach Moreau frei. Doch befanden sich bei Gericht drei neue Mitglieder, die unmittelbar von Napoleon eingesetzt worden waren. Sie bestanden auf der Schuld des Angeklagten (kommt uns das etwas bekannt vor?). Schließlich, bei der zweiten Abstimmung, wurde der General zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Napoleon, der sich zur gleichen Zeit schon zum Kaiser ernannte, war über ein solches Urteil empört: „Er hat doch nicht bloß einen Taschentuch gestohlen!“ Der Kaiser ersetzte Gefängnis durch Verbannung. (Die Geschichte ist an dieser Stelle nicht besonders abwechslungsreich. 120 Jahre später wurde ein anderer erfolgreicher revolutionärer Feldherr aus seinem Land verbannt). Einige Jahre lebte der verbannte General in Übersee; in den USA. Er kaufte dort ein Haus, empfang auch andere französische Emigranten und interessierte sich lebhaft für die Ereignisse in Europa. Dort zerschmetterte Bonaparte komplett die österreichischen und preußischen Armeen, die restlichen deutschen Länder, darunter auch Sachsen und Bayern, ergaben sich bereitwillig. Sie schlossen Verträge mit Frankreich ab und überließen sogar die eigenen Soldaten der Armee Napoleons. Frankreich verwandelte sich aus einer Republik, die Völker befreien wollte, zu einem expandierenden Kaiserreich. Moreau verfolgte diese Verwandlung mit Unruhe. Als im Jahr 1812 ein Krieg zwischen den USA und England entflammte, schlug der amerikanische Präsident dem erfahrenen Heerführer vor, die amerikanische Armee anzuführen. Doch Moreaus Interessen lagen in Frankreich. Zu der Zeit erlitt Napoleon eine komplette Niederlage in Russland, wo Tausende von französischen Soldaten ums Leben kamen, bzw. gefangen genommen wurden. Moreau schrieb einen Brief an den russischen Gesandten in den USA, mit dem Vorschlag eine Armee aus den gefangengenommenen Franzosen zu rekrutieren. Er wäre bereit, an ihrer Spitze zu stehen und gegen Napoleon zu ziehen, „mit Franzosen, aber nicht mit den Fremden“. Diese Idee wurde nicht angenommen. Russland gründete eine Koalition aus europäischen Ländern, und die vereinigte Armee zog gegen den Diktator. Der russische Kaiser, Alexander I., lud Moreau persönlich ein, und der nahm die Einladung an. Der Tod des Generals Am 27. August 1813 fand bei Dresden eine Schlacht statt. Die Verbündeten versuchten die sächsische Hauptstadt, wo sich strategisch wichtige Vorräte befanden, zurück zu erobern. Am Anfang der Schlacht befand sich eine Gruppe aus Generalen und Monarchen auf einer Anhöhe. In dieser Gruppe war auch Moreau, der hier die Rolle eines Militärberaters bei Alexander spielte. Die Kanonenkugeln fielen schon sehr nah und Moreau empfahl dem Kaiser, zu einem anderen Hügel zu wechseln. Der Kaiser willigte ein und schlug ihm vor voranzugehen. Moreau ritt nach vorn und wurde in gleichem Moment von einer Kugel getroffen. Beide Beine waren zermalmt, das Pferd wurde getötet. Es gibt eine Legende, dass Napoleon befohlen hatte, auf die Gruppe der geschmückten Reiter zu schießen. Nach einer anderen Version, zielte er selbst höchstpersönlich (Napoleon war ein Artillerist nach seiner Ausbildung). Doch beide Versionen sind zu sehr ausgeschmückt, um wahr zu sein. Eher gehören sie in die Märchenabteilung. Napoleon hat diese Schlacht gewonnen, er behielt Dresden, die Gegner mussten sich zurückziehen. Die Schlacht bei Dresden ist für die späteren Generationen wenig bekannt geblieben. Ihr Ruhm wurde von der Schlacht bei Leipzig überblendet, die sogenannte „Völkerschlacht“ im Oktober. Moreau hat die Amputation der beiden Beine bis zu den Hüften überlebt. Der Qual dauerte einige Tage, er wusste, dass er stirbt und litt unter dem Gedanken, dass er von einer französischen Kugel verwundet worden war. Am 2. September starb er. Alexander schrieb einen anteilsvollen Brief an die Witwe, bot jede nötige Unterstützung an und lud sie nach Russland ein. Moreau wurde in der katholischen Kathedrale der Heiligen Katharina am Newski-Prospekt in Petersburg bestattet. Dort in der Nähe, aber in einer orthodoxen Kathedrale, war auch Suworow bestattet worden. An der Stelle bei Dresden, wo der General tödlich verwundet worden war, wurden seine amputierten Beine begraben und ein Denkmal errichtet. Diese Ehre wurde dem gefallenen republikanischen General durch den Befehl des Kaisers Alexander erwiesen, demjenigen Kaiser, der eine Koalition angeführt hatte, die in Frankreich die Macht des Königs wiederherstellte. Solche Paradoxe spielen sich manchmal in der Geschichte ab. Napoleon sagte später: „Der Ruhm Moreaus macht mich schwermütig. Man hat mir seine Verbannung vorgeworfen. So oder so, aber wir waren zwei, obwohl nur einer notwendig war“. Zwei Jahrhunderte später nach diesen Geschehnissen, kennt man Napoleon in der ganzen Welt, während General Moreau in der Regel nur den Kennern bekannt ist. Oktober 2011 |
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