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Für neu aus der GUS eingereiste Umsiedler gibt
es zahlreiche Anweisungen und Ratgeber . Ohne deren Nützlichkeit zu
bestreiten, wollen wir zwei Nachteile hervorheben:
Erstens: Sie sind zu
lang! Um sie völlig und genau durchzulesen, muss man schon ein ziemlich fleißiger
Mensch sein. Und die sind bekanntlich selten.
Zweiten: Sie sind durch Beamte oder Fach- Angestellte
(Dolmetscher, Sozialarbeiter u.a.) verfasst, die durch diese Arbeit für die
Einreisenden ihren Lebensunterhalt verdienen und ihre Ratschläge aus
eigener Position formulieren.
Das bedeutet nun aber keineswegs, dass man
auf die Beamten und Sozialarbeiter nicht hören und nicht lesen sollte, was
sie schrieben. Es ist zweifellos notwendig. Aber die offizielle Information
ist nicht immer vollständig. Es gibt zum Beispiel „Verkehrsregeln“, die
jeder Fahrer beherrschen muss. Es gab aber in der Heimat der Migranten auch
noch „Ratschläge der Erfahrenen“. Diese sogenannten mündlich überlieferten
Volksregeln, wurden nirgends herausgegeben oder aufgeschrieben, sind aber von
hoher Nützlichkeit . Etwas Ähnliches versucht die Redaktion für die in die
Bundesrepublik frischangereisten Umsiedler hiermit anzubeten. Hier nun einige
dieser nützlichen Ratschläge und Erfahrungen:
- Rat
Nummer eins. Teilt man Ihnen kategorisch mit, dass in Deutschland etwas
nicht „so“ sondern nur „anders“ gemacht wird, sollten Sie diese
Aussage mit gesunder Skepsis betrachten. In Deutschland wird, wie überall,
nicht nur einseitig gehandelt. Vertrauen Sie auf den gesunden
Menschenverstand und versuchen Sie die Interessen des Gegenübers zu
erkennen.
- Sind
Sie zum ersten Mal im Ausland, versuchen Sie nicht „schön“
auszusehen. Das kann plump wirken, obwohl es Ihnen niemand sagen wird.
Kleiden Sie sich sachlich, in Europa sind schrillwirkende Gewänder nicht
üblich. Die Ausnahme bilden die Teenager und Punker, Sie sind aber doch
schon erwachsen.
- Waren
Sie früher bereits einmal im Ausland als Tourist oder als
Dienstreisender, denken Sie daran, dass Sie jetzt in einer anderen
Eigenschaft da sind. Verhalten Sie sich bescheiden, aber selbstverständlich
mit Würde. Dulden Sie keine flegelhafte Behandlung. Auch im höflichen
Deutschland gibt es da und dort Grobiane. Versuchen Sie nicht, sie mit
Lautstärke zu übertreffen. Am besten man erhöht die Stimme überhaupt
nicht. Weisen Sie in aller Ruhe den Grobian zurecht, auch wenn Ihr Deutsch
noch nicht das beste ist. An jene, die bereits früher einmal hier waren
und vielleicht schon hier gearbeitet
haben, erteilen wir keine Ratschläge; sie wissen bereits Bescheid.
- Sind
Sie dabei, im Arbeitsamt eine angebotene Arbeits- oder Ausbildungsstelle
zu besprechen, sollten Sie Äußerungen vermeiden wie „...Das ist zu
weit zu fahren“ oder „Da müsste ich zu zeitig aufstehen“ usw. Außer
Ärger des(r) Beamten(in), die möglicherweise auch sehr lange durch den
Berufsverkehr zu ihrer Arbeitsstelle unterwegs sind, erreichen Sie damit
nichts.
- Verlangen
Sie im Supermarkt unbedingt
den Kassenbon und prüfen Sie ihn. Auch wenn Sie zu faul sind,
nachzurechnen, tun Sie wenigstens so, als ob Sie ihn prüfen. Der
Kassierer des Marktes, wo sie regelmäßig einkaufen, wird ihre
Wachsamkeit bemerken und sie künftig entsprechend einschätzen.
- Wenn
Sie als Schnäppchen verbilligte Lebensmittel kaufen, verbrauchen Sie
diese schleunigst, sonst werden sie schlecht.
- Wenn
sie aus demselben Grund preisreduzierte Sachen kaufen, sollte Sie in
erster Linie nicht interessieren, um welchen Prozentsatz der Preis gesenkt
ist, sondern wie viel Sie noch zu zahlen haben. Sogar als stark verbilligt
angepriesene Sachen (um vielleicht 50-70%) können teuerer sein, als die
„Normalware“ mit gleicher oder sogar besserer Qualität in einem
anderen Geschäft.
- Beachten
Sie bitte, dass die Meinung über die ausgezeichnete Qualität der europäischen
und insbesondere der deutschen Waren eine Legende ist. Die Qualität ist
unterschiedlich, ganz abgesehen davon, dass die Auszeichnungen der Waren
namenlos geworden sind. Und das bedeutet, dass die Waren aus Süd-Ost-Asien
oder der Ukraine stammen können. Wobei die ukrainischen Waren in der
Regel durchaus gut sind. In jedem Fall sollten Sie die Verpackung und den
Kassenbon während der Garantiezeit aufheben, für mögliche spätere
Reklamationen. Viele Geschäfte nehmen auch Waren zurück oder tauschen
sie um.
- Als
Abschluss lesen Sie den Rat Nummer eins nochmals durch.
Ihr Erfahrenen! Schickt Eure Ratschläge für die
Neuling!
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