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Mit den Augen der GUS-Auswanderer gesehen: Der Spötter rät den Frauen |
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2.
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Mit den Augen der
GUS-Auswanderer gesehen
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Ratschläge zu erteilen, das wagen in der Regel nur Fachleute mit Diplomen wie Rechtsanwälte, Psychologen, Psychotherapeuten, Diätelogen und ähnliche Experten. Sie leben davon, dass sie Ratschläge erteilen. Der Beruf des Ratgebers ist bi-geschlechtig, nicht nur Männer üben ihn aus, sondern auch Frauen, und das häufig durchaus erfolgreich. Die Massenmedien veröffentlichen fast regelmäßig Artikel, die den Frauen die richtigen Verhaltensweisen empfehlen. Solche Ratschläge wagen aus irgendeinem Grund nur die Frauen. Die Männer halten sich dabei zurück. Und das ist seltsam. Die erfolgreichsten Damenmodemacher (Modeschöpfer!) sind bekanntlich Männer. Sie kleiden die Frauen an und verschönern sie. Was aber ist dann mit den Frauenärzten? Ich glaube nicht, dass die Damen sich ihnen von der reizvollsten Seite zeigen. Dennoch genießen die männlichen Frauenärzte offensichtlich größeren Zuspruch als die weiblichen. Diesem Beispiel folgend, versuche auch ich, den Frauen einige Ratschläge zu erteilen. Vielleicht nutzen sie sogar etwas. Hier also ein Ratschlag mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad: Er ist nichts für die Menschen mit schwachen Nerven. Es ist ein Angebot für Frauen mit beachtlichem Sex-Appeal und großem Selbstbewusstsein, eben erwachsenen Frauen. Möglicherweise hat mein Beratungsobjekt ein oder zwei Kinder. Deren Vater oder Väter haben sich längst auf den Weg gemacht, ihr eigenes Glück zu suchen. Ob sie nun offiziell dabei Ehemänner waren oder nicht, ist auch nicht besonders wichtig, denn das Phänomen der unbefleckten Empfängnis ist allgemein bekannt. Die Großeltern helfen, die Kinder zu beaufsichtigen und zu erziehen, aber sie, die Mutter, ist die Alleinverdienerin. Vielleicht erschließt sie sich eine kleine Verdienstquelle, zum Beispiel als „Pendelhändlerin“: Sie fährt über die Grenze hin und her und lebt von dem Gewinn, der sich aus den Preisunterschieden der bereisten Länder ergibt. Der Verdienst genügt gerade, um die Familie satt zu bekommen, aber mehr auch nicht. Reich wird man davon nicht. Das ist kein leichtes Brot, wobei auch diese Einkommensquelle schon am Versiegen ist: Die großen Haie des internationalen Handels machen die kleinen, reisenden Einzelhändler brotlos. Also, muss sich die tapfere Frau eine andere, zuverlässigere Lebensbasis suchen. In Deutschland könnte das die Prostitution sein. Aber für eine Ausländerin geht das nur auf illegale Weise, Gesetze verwehren ihr die Wege dorthin. Doch als „Illegale“ kann man nicht viel verdienen. Und außerdem ginge das auch nur kurze Zeit gut, denn schließlich ist sie auch nicht mehr die Jüngste. Die optimalste Variante wäre zu heiraten. Die Männer in Deutschland scheuen die selbstständigen hiesigen Frauen, die russischen sind gefragt, weil sie als dämlich gelten. Hier ist ihre Chance, hier müsste sie sich ins Zeug legen. Wo aber suchen? Man kann es per Annonce versuchen, besser aber klappt es durch den lebendigen Kontakt während der Handelstätigkeit. Zeigt einer Interesse, dann schlag sogleich zu! Auf Schönheit kommt es nicht an. Bleib’ dran, bis alles Offizielle schwarz auf weiß besiegelt ist. Noch spezieller wage ich meinen Ratschlag nicht zu formulieren, die Sache ist zu intim, hier sollten die eigene Phantasie und Geisteskraft schon ausreichen. Hast Du ihn schließlich soweit, dann schau Dich nun richtig um. Du bist bereits in Deutschland. Um die Existenz brauchst Du Dir keine Sorgen mehr zu machen: Zu essen und zu trinken gibt es immer. Die Variante einer glücklichen Familie untersuchen wir in diesem Fall gar nicht erst. Lebe und freue Dich! Welche Ratschläge würden da noch gebraucht?! Doch was ist, wenn Du den Kerl kaum ertragen kannst? Sollst Du Dich nun den Rest des Lebens mit ihm herumquälen? Nicht unbedingt. Man muss drei Jahre zusammen bleiben, danach kann man den Mann verlassen. Aus dem Land wird man nicht mehr ausgewiesen. Ich rate an dieser Stelle, den Mann so lange nicht zu verlassen, bis ein Ersatz gefunden ist, – es sei denn, Du ziehst es vor, allein zu bleiben. Aber als Verheiratete findest Du viel leichter einen Ersatz, das ist erwiesen. Und in diesem Fall brauchst Du auch nicht drei Jahre zu warten. Doch wo Ersatz suchen? Wenn Du etwas Richtiges suchst, dann nicht im Warteraum der Arbeitsagentur. Suche Dir erst mal einen Arbeitsplatz mit der Aussicht, dass dort die Männer in Scharen, wie auf dem Fliesband, vorkommen. Eine Stelle als Putze im Kindergarten oder beim Frauenfriseur bringt nichts. Da ist eine Tankstelle schon vorteilhafter. Die großartigste Variante aber ist die Zollabfertigung. Die Bezahlung ist zwar nicht die Beste, der Dienst findet auf der Autobahn statt, schichtweise, aber immerhin nicht mit dem Putzlappen, sondern am PC oder mit Kuli. Gibst Du dir etwas Mühe, lernst Du in einer Woche schon, die richtigen Tasten zu drücken, in einem Monat dann auch den Rest. Anschließend kannst Du Dich in aller Ruhe Deinen Kunden widmen, die Auswahl ist durchaus vorhanden. Also, kümmere Dich! Meine Ratschschlags-Variante mit mittlerem Schwierigkeitsgrad ist für diejenigen gedacht, die nach Deutschland legal, doch ohne Partner einreisen. Viele sind im Rahmen der sogenannten deutschstämmigen oder jüdischen Abkommen übergesiedelt. Bist Du angekommen, so richte Dich rasch ein. Mag sein, dass Du erst an der Grenze erfährst, dass im Land Deutsch gesprochen wird. So etwas kommt öfter vor. In der Regel werden die Immigranten sofort zum Sprachlehrgang geschickt. Aber dort rumzusitzen und die Vokabeln zu büffeln, ist lästig und langweilig. Viel gesünder ist es, sich krankschreiben zu lassen. Der Arzt versteht nicht, welche Krankheit Du beschreibst, Du wiederum verstehst nicht, was er vor sich hinplappert, aber einen Krankenschein stellt er leicht aus. Hier gibt es keine sowjetische Limitierung. Im Wartezimmer kann man gut neue Bekannte kennen lernen. Was der Herr neben Dir so alles redet, ist zwar nicht klar, aber sein Gesicht lässt leicht erraten, dass ihm Deine Rufnummer im Wohnheim willkommen wäre, zumal Nummern in arabischen Ziffern geschrieben werden und international verständlich sind. Das Telefon im Wohnheim befindet sich im Gemeinschaftsraum, wo auch der Fernseher steht. Immer ist jemand im Raum, der das Kauderwelsch beherrscht. Du brauchst nur auf laut zu schalten. Wohlgesonnene Nachbarn werden Dir leise vorsagen, wie du Dich zum romantischen Rendezvous verabreden kannst. Allerdings endet das in der Regel nach einem Abendessen und einer/anderthalb Stunden „danach“ in seiner Wohnung oder gar in seinem Auto. Eine Fortsetzung ist entweder sehr kurz oder findet gar nicht statt. Einer meiner Bekannten wurde von einem solchen Romantiker verkündet, dass es bald „woina“ (Krieg) gibt. Der Rat der Kundigen im Wohnheim fand schnell heraus, dass es sich um den sächsischen Ausdruck für Weihnachten handeln könnte. Weihnachten nahte tatsächlich. Der Romantiker erschien sogar mit dem Geschenk direkt im Wohnheim, verschwand allerdings gleich danach wieder. Die Möglichkeiten sind damit noch nicht erschöpft. Man kann versuchen, sich mit eigenen, sprich „unseren“ Männern zu arrangieren. Eine Annonce in der russischen Zeitung stellt eine der Möglichkeiten dar. Man wird angerufen. Meine Bekannte erhielt 25 Anrufe in einer Woche. Und? Es hat nicht viel gebracht. Mehr als für einen Anruf wollten die Herrschaften nicht investieren. Deutschland ist groß, Du willst ihnen doch nicht etwa die Anreise für das Zusammentreffen finanzieren? Die Variante des Kennenslernens über die gemeinsamen Bekannten ist nicht schlecht. Doch die Richtigen kommen dabei nicht oft vor. Die meisten sind bereits verheiratet und interessieren sich nicht für Romantik. Es bleibt nichts anderes übrig als den Stolz zu vergessen, die Ansprüche zu drosseln und einen Sozialhilfeempfänger zu nehmen. Selbstverständlich nur vorübergehend. Am Ende bist Du es auch. Wohnung und Ernährung sind gesichert,, man kann den Partner ein-, zweimal pro Woche ertragen. Die Hoffnung auf etwas Besseres ist davon nicht betroffen. Zum Schluss noch eine Alternativvariante: Schau Dich nach der Anreise erst mal richtig um. Es gilt zu erkennen, was hier gefragt ist und was Deine Fähigkeiten sind. Dein Ingenieurdiplom kannst du ruhig wegstecken, das wirst du nicht brauchen. Aber Altenpfleger sind sehr gefragt. Die Alten werden immer zahlreicher, weil die Lebenserwartung immer mehr wächst, genug Pfleger gibt es aber nicht. Das ist Deine Chance. Arbeitsamt ade´, gehe ruhig arbeiten und lebe davon. Allerdings ist es kaum ein Weg in die Partnerschaft. Dennoch weckt eine selbstständige Frau Interesse der alleinseinsmüden Männer. Es gibt die verschiedensten Varianten je nach Temperament und Kraft. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg bei der Partnersuche ist die richtige Einschätzung eigener Kräfte und Fähigkeiten. Ich persönlich sympathisiere vor allem mit den Frauen, die meine Ratschläge nicht brauchen. Aber die Geschmäcker sind nun mal unterschiedlich. W. Kunow sammelt I. Küster übersetzt |
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