Halyna Yefremova

Eine Schule voller Freude

Boris Rozov

Übersetzer Herbert Pietzsch

 

Vor etwa drei Jahren gab es in unserer Zeitung schon einmal Material über die Russischen Schulen in Dresden. Heute kann die Reaktion mit Befriedigung die Weiterentwicklung der Schule „Kolibri“ vermelden. (Red.)

Русский

Am Anfang war das Wort.

Es unterhielten sich der Leiter des Deutsch-Russischen Kulturinstitutes (DRKI), Dr. Schälike, und Galina Yefremova. Das Thema beunruhigte beide. Das Institut bemühte sich, neben anderen wichtigen Dingen, schon über ein Jahrzehnt lang, hier in Deutschland die Bedeutung der Russischen Sprache hochzuhalten, diese unter den Immigranten zu bewahren. Frau Yefremova, Kulturarbeiterin, ehemalige Lehrerin und Direktorin einer Musikschule, sorgte sich ihrerseits,  ebenso über dieses Problem, besonders im Zusammenhang mit der Erziehung der Kinder.

Das Ergebnis des Gesprächs – und das ist fünf Jahre her – war der Beschluss über die Gründung der Gruppe „Kolibri“.

Die ersten Schritte waren recht bescheiden. Ein Dutzend kleiner Kinder kamen in das Gebäude des Institutes, um das lebendige russische Wort zu hören – und zu sprechen…

Und dann wurden es immer mehr. Am Stadtrand wurde, zuerst nur für einen Tag in der Woche, den Sonnabend, eine größere Räumlichkeit angemietet, welche zu einem echten Anziehungspunkt für Russisch sprechende (und noch nicht des Russischen Mächtigen!) Kinder und ihre Eltern wurden. Die Zahl der Unterrichtsfächer und der Kreis der Lehrkräfte wuchsen, und damit auch die Ambitionen (im positiven Sinne des Wortes).

Im Herbst dieses Jahres gab es dann gleich zwei für das Leben des „Kolibri“ bedeutende Ereignisse. Die Schule legte ihre Windeln ab, verließ die Fürsorge des DRKI und wurde zu einem juristisch selbständigen Zentrum – dem Kinder- und Elternzentrum als eingetragener Verein.

Das zweite Ereignis war der Umzug ins Stadtzentrum auf die Ritzenbergstr. 3. Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, täglichen Unterricht zu organisieren – sechs Mal in der Woche kommen hierher mehr als 100 Kinder.

Wichtigstes Fach bleibt, wie schon in der Gründungsphase, die Russische Sprache. Sie kann für das Kind sterben, wenn es sie nur in der Familie hört. Hier dagegen unterrichtet man nicht nur zu sprechen, sondern auch zu schreiben und zu lesen. Die Orientierung sind Lehrpläne der Schule in Russland. Es ist nicht übertrieben, wenn man feststellt, dass die Lehrerinnen der Russischen Sprache Alla und Larissa Kremenchutska, Anna Tschudnovskaia, Evgenia Urich, Svitlana Uvarova, Lehrerin der Historie Alla Kaplan und Lehrerin der Deutschen Sprache Judith Merkuschev den Kindern ihre ganze Seele widmen.

Die Wissensvermittlung erfolgt in der Schule schöpferisch und spielend. Deshalb nehmen entsprechende Disziplinen einen wichtigen Platz ein (übrigens kann dieses Wort nicht im geringsten die freie, lustbetonte und ungezwungene Atmosphäre wiedergeben, die hier in den Unterrichtsstunden herrscht!). An die Musik führt Tatjana Nepomnyaschcha die Kinder heran, Olga und Pavel Melnikov unterrichten Zeichnen und Malen.

Und Sie sollten einmal sehen wie hingebungsvoll die Kinder – darunter die ganz Kleinen – unter Leitung von Tetyana Karpova tanzen!

Und die Arbeit mit dem Kopf?! In der Schule gibt es angewandte Mathematik und Computergestütztes Konstruieren, angeleitet von Franz Hermann, dem Autoren von mehr als 170 wissenschaftlichen Forschungen und einiger Bücher. Das königliche Schach unterrichtet der Dresdner Schachspieler Boris Rozov.

Und dann gibt es noch einiges neben dem Stundenplan.

Das Ensemble „Balalaika“ z.B. konnten die Dresdner schon einige Male in verschiedenen Sälen der Stadt hören. Das Theaterstudio entwickelt die darstellerischen Talente der Kinder weiter (übrigens haben wir noch nicht erwähnt, dass die Türen für alle offen sind: so z.B. die Gruppe „Kleinkinder und ihre Mütter“ für Kinder von 1-3 Jahren, die älteren Gruppen bis hin zur 8.Klasse).

Viele erinnern sich an den farbenfrohen Puschkin-Abend in den Räumen der Walddorfschule. Die Kinder nehmen auch an städtischen Festen teil.

Und im Herbst war ein Kinderferienlager geöffnet - Exkursionen, Spiele, Turnen… Ein solches Lager ist für die Frühjahrsferien in Vorbereitung.

Ein schulisches Jolka-Fest wird stattfinden, wie auch Feste in der Osterzeit.

Und zum Abschluss jedes Schuljahres gibt es ein von den Kindern gestaltetes Konzert.

Vergessen darf man n  nicht, das die Schule zu einem echten Klub für die Eltern geworden ist (das Problem der Kommunikation der Immigranten!), die zweifellos nicht nur für oder wegen der Kinder hierher kommen, sondern auch für sich selbst…

Kopfschmerzen bereitet den Mitarbeitern der Schule nur eins – es kommen immer mehr Kinder in die Räumlichkeiten von „Kolibri“ und es wird nicht lange dauern, dass auch diese zu eng werden!

Und alles hatte mit einem Gespräch begonnen…

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