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„Raduga“ in Dresden Boris Rozov Übersetzer Alexander Sauter |
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Erinnern Sie sich noch, verehrte Leser, an unsere Erzählung über die russische Schule „Kolibri“? In Dresden gibt es nicht nur eine dieser Art. Wir befinden uns an der mathematischen Fakultät der Technischen Universität (Zellischer Weg 12/14). Lange Gänge. Riesige Klassenräume. Kinderstimmen. Das gewohnte Läuten zum Unterrichtsbeginn. Es ist Samstag und wir befinden uns in der russischen Wochenendschule „Raduga“ (Regenbogen“). Es ist übrigens die erste dieser Art in Dresden. Sie wurde noch in den 90er Jahren von einigen Eltern in Eigeninitiative organisiert. Zunächst wurde sie von Lidija Pitsch geleitet, danach übernahm Tatjana Lupanowa, die vor kurzem aus dem Leben schied, für einige Jahre die Leitung. Die Schule hat sich ganz konkrete Aufgaben gestellt: Kindern das Lesen und Schreiben beibringen, ihre Sprachfähigkeiten fördern, sie mit den Grundlagen der darstellenden Künste und der Musikkultur vertraut machen. Bis zu 60 Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren kamen in die Schule. Mehrmals mussten die Räumlichkeiten gewechselt werden. Eine ständige Sorge sind auch die finanziellen Probleme. Doch die Schule lebt trotzdem. Dieses Verdienst gebührt hauptsächlich den Lehrern. In welcher anderen Schule der Stadt arbeiten gleichzeitig so viele erfahrene Lehrer mit 10, 20 und sogar 30 Jahren Berufspraxis? Es sieht so aus, als habe man hier den gesamten pädagogischen Erfahrungsschatz der ehemaligen Sowjetunion versammelt: Es finden sich Absolventen der pädagogischen Institute und Universitäten von Swerdlowsk und Dnjepropetrowsk, Baku und Witebsk, Tscheljabinsk und Alma-Ata, Sankt Petersburg und Omsk… Ich habe einige Unterrichtsstunden besucht. Funktionsfähige Tafeln. Tabellen. Lernhilfsmittel. Erhobene Schülerhände. Das Wichtigste aber: Die Schüler zeigen Interesse. Das Prinzip der Schule lautet: „Spielend lernen“. Das hat mir die pädagogische Leiterin Nina Bauer erzählt (nach dem Weggang von Tatjana Lupanowa haben die Lehrer beschlossen, dass es keinen Direktor mehr geben soll; stattdessen befasst sich nun ein kollektives Gremium mit allen anstehenden Fragen). In ihrer Sorge um die Kinder steht die Schule nicht allein da. So wurden die Schulbücher etwa von dem Fonds „Russkij mir“ (Russische Welt) zur Verfügung gestellt. Die Stadt Amsterdam (!) steuerte für das Netz russischer Schulen in Deutschland neue Lernhilfsmittel bei. Sponsoren von der Stadtsparkasse Dresden haben der Schule „Raduga“ Musikinstrumente verschafft. Das Deutsch-Russische Kulturinstitut Dresden führt Seminare für Lehrer durch… „Die Kinder haben sich in diesen zehn Jahren verändert, und auch die Schule muss sich verändern“, fährt Nina Bauer fort. Doch das Hauptaugenmerk wird auch weiterhin auf die russische Kultur und die russischen Traditionen gelegt. Wenn es z.B. um Musik geht, dann müssen es traditionelle russische Musikinstrumente sein… Wenn das Thema „Kunst“ lautet, dann sind es „dymkovskije“ Spielzeuge...“
Zweifel daran gibt es keine. Hinter den verschlossenen Türen des Musiksaals sind Stimmen von Kindern zu hören, die ein russische Volkslied singen, oder als der Lehrer für darstellende Künste ausdrücklich von russischer Kunst erzählt (wo sonst in Deutschland erfahren Kinder etwas darüber?), von den ersten sowjetischen Raumfahrern berichtet und mir so genannte Frühlingspuppen vorführt, die die Kinder eigenhändig hergestellt hatten. Im Unterricht bekam ich auf Russisch auch so halbvergessene Wörter wie die Zwölften, Fasching, Ostern zu hören... Übrigens: Es sind genau diese Kinder, die Schüler der Schule „Raduga“, die bei der Frühjahrsausstellung des Ausländerrats „Ich sehe, was du nicht siehst“ vertreten sein werden. Doch der Unterricht allein genügt der Begeisterung der Kinder offenbar nicht. Es werden Feste wie der 8. März gefeiert, Feiern wie „Hallo, Schule!“ veranstaltet und der traditionelle Neujahrstannenbaum aufgestellt. Festlich begangen wird auch der Fasching. Neben Pfannkuchen steht auch ein Samowar auf dem Tisch. Am Ende des Schuljahres wird das Fest „Hallo, Sommer!“ gefeiert und das Konzert „Hurra, Ferien“ veranstaltet. Und noch etwas habe ich von Nina Bauer erfahren: Es sei sehr wichtig, den „Verbindungsfaden zwischen den Kindern und den Lehrern zu erhalten“. Was sind es für Kinder, die hierher kommen? Im Gespräch mit den Schülern konnte ich bei vielen von ihnen einen leichten Akzent feststellen. Einige der neuen Einwohner Deutschlands sind bereits hier geboren. Andere haben ihre Sprache aus Russland, Kasachstan, der Ukraine usw. mitgebracht. Erstaunlich, aber man trifft hier auch einheimische deutsche Kinder, und selbst Kinder aus einer ungarischen Familie sind hier. Die Kinder – so meinen ihre Eltern – gehen gerne zum Unterricht und bringen ihre Freude mit nach Hause: Sie malen, singen, erzählen von dem, was sie im Unterricht gehört haben. „Schon nach einem Jahr verändern sie sich, werden anders, lernen Disziplin kennen – und das bereits ab einem Alter von vier Jahren!“. Das Wichtigste nach Meinung der Eltern aber ist, dass die Kinder sich hier nicht nur unter Aufsicht befinden, wie es in den örtlichen Kindergärten der Fall ist, sondern dass hier auch ihre schöpferischen Fähigkeiten gefördert werden. Zusätzlich werden die Kleinen auch noch auf ihre Prüfungen in den deutschen Schulen vorbereitet. Und noch zwei interessante Bemerkungen habe ich von den Eltern gehört. Die erste ist sozusagen theoretischer Natur. „Hier herrscht eine gute Lehrmethodik. Nach sowjetischer Art!“. Die zweite ist da schon praktischer. „Es ist sehr vorteilhaft, dass der Unterricht am Samstag stattfindet. Die Köpfe der Kinder sind frisch. Außerdem kommen sie mit uns zusammen kostenlos in die Schule“. Nun, allem Anschein nach gelingt es der Schule „Raduga“, Theorie mit Praxis zu verbinden. Freude mit Arbeit. Schönes mit Nützlichem. Juni 2010 |
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