Das Haus auf der Kipsdorfer Straße

 Boris Rozov

Fotos von Mark Ioselevych

 

In Dresden gibt es mehrere Gesellschaften, die sich mit Emigranten befassen. Viele von ihnen arbeiten mit den russischsprachigen Emigranten. Die Atmosphäre bei der ZMO-Jugend kam uns besonders unaufdringlich freundlich vor. (Red.)

Русский

Zum Seitenende

Über uns
Offene Briefe
Aus aller Welt & in Europa
In der GUS 
In Deutschland
In Dresden 

 

Sternenhimmel

Sammelbuch

Für uns fotografiert man 

In Tschehien

Im Museum der Indianer und ersten Europäer (Kanada)

An den Niagarafälle (Kanada)

In unserer Stadt und Umgebung

Gesellschaft zur Hilfe für Kriegsveteranen in Russland

Theater der Interaktion

Die Kunst ruft

In der Welt der Erfindungen

 Büroklammer und Fahrrad 

Der Erfinder des Fahrrades    Ein tolles Fahrrad!

Reisen

Die Kanaren

Von dem Halbjahrhundert und zwei Jahrhunderten... 

Durch das Leben gehen

In Dresden mit dem Karamsin

 

   Mit den Augen der GUS-Auswanderer gesehen

Probleme

Binnen eines Jahres

Und wohin denn?

Etwas geht hier vor…

Lüge ist Lüge

Wohin bewegen sich Migranten?

Der Spötter

 Glauben, Könige und Präsidenten

Feinde rund um uns?

 

Literarische Seite

Gedicht von Günter Kunert

Gedichte von Alexander Byvschev

Archiv

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Seitenanfang

"Ich will nicht zu Hause sitzen. Ich kann nicht zu Hause sitzen. Wo kann man Freunde finden, mit denen man tanzen, singen, sich amüsieren könnte?.. Einfach über dies und jenes plaudern? Ich bin doch erst 18. Man sagt, in Dresden gibt es genug Orte, wo sich solche wie ich, die Hinzugezogenen aus Russland, der Ukraine, Kasachstan usw. treffen können. Dort habe ich ein paar Mal vorbei geschaut und nur  graue Köpfe registriert. Keine Lust mehr auf so was".

Der übliche Monolog, die übliche Stimmung. Doch schon im Jahr 1996 haben sich in unserer Stadt einige Leute zusammen gefunden, die über dieses Problem nachgedacht haben. So wurde die Gesellschaft ZMO-Jugend e.V. gegründet. Ihre offizielle Aufgabe ist, die Jugendlichen bei der Integration in Deutschland, bei der Überwindung der nationalen Vorurteile, bei dem interkulturellen Dialog zu unterstützen.

Da ist die vierte Etage eines gewaltigen Hauses auf der Kipsdorfer Straße. In einem kleinem Zimmer wurde ich von den zwei Sozialpädagogen empfangen: Valentina Ohngemach und Wladimir Tschurikov. Man sieht sofort, wie gern sie die Information über ZMO weiter geben, wie sehr sie sich auf  neue Besucher freuen. Zuerst hat Wladimir mit mir gesprochen (er musste wegen einer Probe rasch weg). Er selbst ist ein Schauspieler und die hiesigen Theatertruppen sind die Früchte seiner Bemühungen. Die jüngste Truppe "Krümel" besteht aus Kindern bis 8 Jahren und bereitet sich gerade auf die nächste musikalische Premiere vor. Die ältere Kindergruppe "Mix" ist in der Stadt schon wohl bekannt: durch "Däumelinchen" und "Der Nussknacker". Neulich, zum Theatertag, wurde im Kinderzentrum "Kolibri" das Theaterstück "Aschenputtel" aufgeführt. Für Weihnachten ist die Premiere der "Schneekönigin" geplant. Alle Stücke werden auf Deutsch aufgeführt. "Unser Ziel ist“, sagt Wladimir, „nicht nur die Zuschauer zu unterhalten. Die kleinen Schauspieler vervollkommnen ihr Deutsch, verbessern ihre Aussprache, aber vor allem erwerben sie innere Freiheit und Selbstvertrauen. Das ist wohl die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Integration“. 

Geplant wird auch eine Jugendtruppe „Kontakt“. Die Einschreibliste  gibt es bereits, doch die Jugend ist vorerst nicht besonders aktiv...

Valentina Ohngemach schließt sich dem Gespräch an. Ja, Leute kommen und sogar viele. Zu den Diskotheken kommen sogar einige aus der Umgebung Dresdens. Und insgesamt (sie schaut schnell in die Papiere) nehmen pro Woche an verschiedenen Projekten über hundert Menschen teil. Natürlich möchte man noch mehr Beteiligte haben.

Die männlichen Kinder und Jugendlichen sind hier etwas in Übergewicht. Das Sportangebot lockt sie an. ZMO mietet die Spielplätze für Fußball und Volleyball (das ist mit einem ziemlich großen Geldaufwand verbunden, deshalb ein großes Dankeschön an das Dresdner Jugendamt für die finanzielle Unterstützung). Billard und Tennis kann man direkt in dem Gebäude spielen. Hier gibt es einen großen mehrfunktionellen Saal, in dem übrigens auch Diskotheken stattfinden. Hier befindet sich auch die kleine Bühne.

Es gibt auch die modische Exotik: Bauchtanz. „Wieso nicht?“, sagt Valentina. „Das sind wunderbare körperliche Übungen und Freude an Kunst und Schönheit gleichzeitig. Ist viel künstlerischer als das übliche Aerobic!" Und noch etwas zum Thema Kunst. Auf den Flurgängen sind gemalte Bilder ausgehängt: die Werke der Kinder aus dem Kunststudio. Außerdem wird auch Klavierunterricht angeboten. Übrigens, durch die Vermittlung von ZMO, hat die vorherige Klavierlehrerin Arbeit in einer Musikschule gefunden.

Nicht so gut hat es bis jetzt mit den Barden geklappt. Zwar haben einige davon vor ein paar Jahren die Zuschauer mit einer hohen Klasse der vorgeführten Autorenlieder beeindruckt, doch gibt es offensichtlich  nicht viele von dieser Sorte in Dresden.

Für diejenigen aber, die nicht singen können, und nur einfach Unterhaltung suchen? Bitte schön: "Teetasse". Im März wurde bei der "Tasse" beispielsweise über Liebe diskutiert. Im April ging es um die russische und deutsche Mentalität.

Zwar ist Lyrik etwas Schönes, doch unsere Zeit verlangt auch noch etwas ganz anderes. Und so  werden auch die Grundlagen für den Umgang mit Computer vermittelt und Unterstützung bei den Problemen in Mathematik organisiert.

"Was uns freut“, fährt Valentina fort, „ das ist zwar kein besonders großes, aber immerhin spürbares Interesse der einheimischen Deutschen (Integration!). Sie kommen zu den Sportspielen. Auch kommen  deutsche Erzieher und Studenten, interessieren sich für die Arbeit mit den Kindern. Doch wünschenswert wäre etwas mehr Aktivität seitens der eingewanderten, als auch der einheimischen Jugendlichen".

...Nun kommen wir zurück zu dem Monolog am Anfang des Artikels. Wurde die Frage des Autors beantwortet?..

Und wir wiederholen es gern: Sie werden erwartet auf der Kipsdorfer Str.100; Tel.:0351-2899276; Internet: www.zmo-jugend.de; E-Mail: zmo-jugend@web.de.

Mai 2011

Homepage


"Голос в интернете" Все права защищены