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Das Haus auf der Kipsdorfer Straße Boris Rozov Fotos von Mark Ioselevych
In Dresden gibt es mehrere Gesellschaften, die sich mit Emigranten befassen. Viele von ihnen arbeiten mit den russischsprachigen Emigranten. Die Atmosphäre bei der ZMO-Jugend kam uns besonders unaufdringlich freundlich vor. (Red.) |
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"Ich will nicht zu Hause sitzen. Ich kann nicht zu Hause sitzen. Wo kann man Freunde finden, mit denen man tanzen, singen, sich amüsieren könnte?.. Einfach über dies und jenes plaudern? Ich bin doch erst 18. Man sagt, in Dresden gibt es genug Orte, wo sich solche wie ich, die Hinzugezogenen aus Russland, der Ukraine, Kasachstan usw. treffen können. Dort habe ich ein paar Mal vorbei geschaut und nur graue Köpfe registriert. Keine Lust mehr auf so was". Der übliche Monolog, die übliche Stimmung. Doch schon im Jahr 1996 haben sich in unserer Stadt einige Leute zusammen gefunden, die über dieses Problem nachgedacht haben. So wurde die Gesellschaft ZMO-Jugend e.V. gegründet. Ihre offizielle Aufgabe ist, die Jugendlichen bei der Integration in Deutschland, bei der Überwindung der nationalen Vorurteile, bei dem interkulturellen Dialog zu unterstützen. Da ist die vierte Etage eines gewaltigen Hauses auf der Kipsdorfer Straße. In einem kleinem Zimmer wurde ich von den zwei Sozialpädagogen empfangen: Valentina Ohngemach und Wladimir Tschurikov. Man sieht sofort, wie gern sie die Information über ZMO weiter geben, wie sehr sie sich auf neue Besucher freuen. Zuerst hat Wladimir mit mir gesprochen (er musste wegen einer Probe rasch weg). Er selbst ist ein Schauspieler und die hiesigen Theatertruppen sind die Früchte seiner Bemühungen. Die jüngste Truppe "Krümel" besteht aus Kindern bis 8 Jahren und bereitet sich gerade auf die nächste musikalische Premiere vor. Die ältere Kindergruppe "Mix" ist in der Stadt schon wohl bekannt: durch "Däumelinchen" und "Der Nussknacker". Neulich, zum Theatertag, wurde im Kinderzentrum "Kolibri" das Theaterstück "Aschenputtel" aufgeführt. Für Weihnachten ist die Premiere der "Schneekönigin" geplant. Alle Stücke werden auf Deutsch aufgeführt. "Unser Ziel ist“, sagt Wladimir, „nicht nur die Zuschauer zu unterhalten. Die kleinen Schauspieler vervollkommnen ihr Deutsch, verbessern ihre Aussprache, aber vor allem erwerben sie innere Freiheit und Selbstvertrauen. Das ist wohl die wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Integration“. Geplant wird auch eine Jugendtruppe „Kontakt“. Die Einschreibliste gibt es bereits, doch die Jugend ist vorerst nicht besonders aktiv...
Valentina Ohngemach schließt sich dem Gespräch an. Ja, Leute kommen und sogar viele. Zu den Diskotheken kommen sogar einige aus der Umgebung Dresdens. Und insgesamt (sie schaut schnell in die Papiere) nehmen pro Woche an verschiedenen Projekten über hundert Menschen teil. Natürlich möchte man noch mehr Beteiligte haben. Die männlichen Kinder und Jugendlichen sind hier etwas in Übergewicht. Das Sportangebot lockt sie an. ZMO mietet die Spielplätze für Fußball und Volleyball (das ist mit einem ziemlich großen Geldaufwand verbunden, deshalb ein großes Dankeschön an das Dresdner Jugendamt für die finanzielle Unterstützung). Billard und Tennis kann man direkt in dem Gebäude spielen. Hier gibt es einen großen mehrfunktionellen Saal, in dem übrigens auch Diskotheken stattfinden. Hier befindet sich auch die kleine Bühne. Es gibt auch die modische Exotik: Bauchtanz. „Wieso nicht?“, sagt Valentina. „Das sind wunderbare körperliche Übungen und Freude an Kunst und Schönheit gleichzeitig. Ist viel künstlerischer als das übliche Aerobic!" Und noch etwas zum Thema Kunst. Auf den Flurgängen sind gemalte Bilder ausgehängt: die Werke der Kinder aus dem Kunststudio. Außerdem wird auch Klavierunterricht angeboten. Übrigens, durch die Vermittlung von ZMO, hat die vorherige Klavierlehrerin Arbeit in einer Musikschule gefunden. Nicht so gut hat es bis jetzt mit den Barden geklappt. Zwar haben einige davon vor ein paar Jahren die Zuschauer mit einer hohen Klasse der vorgeführten Autorenlieder beeindruckt, doch gibt es offensichtlich nicht viele von dieser Sorte in Dresden. Für diejenigen aber, die nicht singen können, und nur einfach Unterhaltung suchen? Bitte schön: "Teetasse". Im März wurde bei der "Tasse" beispielsweise über Liebe diskutiert. Im April ging es um die russische und deutsche Mentalität. Zwar ist Lyrik etwas Schönes, doch unsere Zeit verlangt auch noch etwas ganz anderes. Und so werden auch die Grundlagen für den Umgang mit Computer vermittelt und Unterstützung bei den Problemen in Mathematik organisiert. "Was uns freut“, fährt Valentina fort, „ das ist zwar kein besonders großes, aber immerhin spürbares Interesse der einheimischen Deutschen (Integration!). Sie kommen zu den Sportspielen. Auch kommen deutsche Erzieher und Studenten, interessieren sich für die Arbeit mit den Kindern. Doch wünschenswert wäre etwas mehr Aktivität seitens der eingewanderten, als auch der einheimischen Jugendlichen". ...Nun kommen wir zurück zu dem Monolog am Anfang des Artikels. Wurde die Frage des Autors beantwortet?.. Und wir wiederholen es gern: Sie werden erwartet auf der Kipsdorfer Str.100; Tel.:0351-2899276; Internet: www.zmo-jugend.de; E-Mail: zmo-jugend@web.de. Mai 2011 |
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