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Unsere Kinder Galina Samochwalowa
Meine Jahre steigen immer mehr, Siebzehn werde ich bald. Wo soll ich denn arbeiten, Mit wem werd´ ich mich beschäftigen? V. Majakovskij « Was zu sein?» |
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Man sagt, dass sich Kinder an alles leicht und schnell gewöhnen. Leichter passen sie sich an, schnell erlernen sie andere Sprachen und finden neue Freunde. Aber wenn man genauer hinsieht, bemerkt man, dass hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit sehr viel tägliche anstrengende Arbeit steht. Viele unsere Kinder sind in ihre neue Heimat noch als Schüler angekommen. Alte Freunde sind hinter der Grenze zurück geblieben, neue sind noch nicht erschienen, und das Kind beginnt nach seiner veränderten Stelle im Leben zu suchen. So geschah es auch mit Lena. Als sie 14 Jahre alt war, zog sie, zusammen mit den Eltern, dem älteren Bruder und der Großmutter, also der ganzen großen, freundlichen Familie, auf Dauer nach Deutschland um. In Usbekistan hatte Lena die 9. Klasse beendet, mit Deutsch als zweiter Sprache. In Dresden, der neuen Heimat, kam sie in die 8. Klasse der deutschen Mittelschule. Mit der Umgangssprache und der Grammatik kam sie nur schwer klar. Mit Fleiß und großer Mühe schaffte sie die Abschlussprüfung in der zehnten Klasse. Doch dann, nach dem Abschluss der Schule, tauchte die Frage auf: „Was nun?“ Die Mutti empfahl ihr, die Richtung auf medizinische Bildung zu wählen. Und Lena fing in der einjährigen Schule zur Vorbereitung für medizinische und soziale Berufe an der Berufsfachschule für Gesundheit und Sozialwesen an. Im Kurs war sie die einzige Russischsprechende, und der tägliche Umgang mit den Lehrern und Mitschülern half ihr, die deutsche Sprache zu vervollkommnen. Jetzt spricht Lena praktisch ohne Akzent. Das Jahr des Studiums ging vorüber. Lena begann die Bewerbungen auszusenden, um sich als zahnärztliche Helferin ausbilden zu lassen. Eine lange Wartezeit begann. Das Arbeitsamt bestellte sie immer wieder ein, bot ihr Kurse als Kurier und Verkäuferin an, und die Beraterin riet ihr, sie solle sich doch möglichst um eine einfache Arbeit bemühen. Aber Lena gab nicht nach, sie vervollkommnete in Kursen die deutschen Sprache, schrieb weiter Bewerbungen, und nach drei Jahren erreichte sie ihr Ziel: Sie bekam die Einladung zu einem Gespräch in einer Zahnarztpraxis. Sie bewährte sich in der Probezeit, und die Zahnarztpraxis bezahlte Lena die weitere Ausbildung. In der Studiengruppe war sie wieder die einzige Russischsprechende. Es war bis zu den Tränen schwer. In den ersten zwei Jahren lernte sie zwei Tage in der Woche, und arbeitete drei Tage (nach dem üblichen dualen Ausbildungssystem). Der Praktikantin fiel es nicht leicht, zu arbeiten und parallel dazu zur Schule zu gehen. Abends paukte sie die speziellen deutschen Termini. Die ganze Familie, die Eltern, der Bruder, die Großmutter und ihr Freund bemühten sich, Lena zu unterstützen, und diese ständige Unterstützung und die Liebe der nahen Leute halfen ihr sehr. Allmählich begriff Lena die Anfangsgründe des Berufes und fühlte sich sicherer mit Kollegen und Patienten. Im dritten Jahr lernte Lena nur noch an einem Tag in der Woche und arbeitete vier Tage. Die russischen Patienten fingen an, die Praxis zu besuchen, sie wussten, dass Lena immer beim Übersetzen hilft. Ihre Zielstrebigkeit und die Beharrlichkeit brachten Früchte. In der Abschlussprüfung bekam Lena als einzige der Ausbildungsgruppe (50 Menschen) die die Einschätzung "ausgezeichnet". Ihre Dozentin gratulierte ihr warmherzig und sagte, dass vor ihr den Hut abnimmt. Die Praxis hielt Wort und Lena erhielt einen festen Arbeitsplatz. Etwas Interessantes geschah nach der Prüfung, als Lena zur Arbeit kam. Da erschien ihre Mutti mit genau dem gleichen Problem, zu dem Lena geprüft worden war. Alle lachten darüber: Bis zum Mittagessen war Lena mit der Theorie befasst, nachmittags erlebte sie die Praxis zum gleichen Problem. Heute Lena ist Zahnarzthelferin. Doch sie plant, ihre Qualifikation zu erhöhen und sieht mit Optimismus in die Zukunft. Und sie empfiehlt allen, die vor einem Kreuzweg stehen, nicht vor Schwierigkeiten zu verzweifeln, sondern immer nach seinem Ziel zu streben. Und dann wird der Erfolg auf jeden Fall kommen. Diese Geschichte ist nur ein Tropfen im Meer der Schicksale unserer Kinder. Jeder wählt seinen eigenen Weg, aber das Beispiel Lenas ist nachahmenswert. Das Wesentliche ist, sich nicht in dieser schnelländerten Welt zu verlieren, nach seinem Ziel zu streben, zu lernen, zu arbeiten, und dann wird sich etwas ergeben.
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