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Die Schlösser am Rhein oder in Bayern oder auch die Schlösser der Loire in Frankreich zu besuchen – dazu lädt uns die Werbung der Tourismusfirmen nachdrücklich ein. Der Terminus „Schlösser Sachsens“ ist irgendwie noch nicht bekannt. Ich bin sicher, dass dies ein vorübergehendes Versäumnis ist, wohl der relativen Jugend der sächsischen Tourismusindustrie geschuldet: faktisch entwickelte sich letztere erst in den 90-er Jahren, nach der Vereinigung des Landes. Der kürzlich neu aufgelegte Reiseführer „Schlösser und Burgen Sachsens“ enthält 290 Objekte. Diese große Zahl reicht für eine ganze Serie von Reisen. Ein Großteil der Schlösser liegt in den vormaligen und heutigen Hauptstädten der föderalen Länder – Dresden und Meißen – und ihrer Umgebung. Das sind Schlösser der Markgrafen – Herzöge – Fürsten - Könige, ihre Sommerresidenzen und „Jagdhäuschen“ sowie auch Schlösser der höheren Würdenträger des Staates. Auf der Liste stehen auch Festungen, die irgendwann einmal der Verteidigung dienten und heute historisch-architektonische Denkmäler sind. Restauriert sind sie heute auf Besucher vorbereitet. Eines dieser Schlösser in der Dresdner Umgebung ist Weesenstein. Es liegt im malerischen Tal des Flüsschens Müglitz, an dessen Ufern sich bewaldete Berghänge entlang ziehen. Das Schloss sieht von allen Seiten sehr schön aus, besonders poetisch ist jedoch der Anblick vom an dieses anschließenden, im französischen Stil angelegten, gepflegten Park aus. Sein Name leitet sich von der Bezeichnung natürlicher Quarzsteine ab, die man auch „Falscher Opal“ nennt. Früher bezeichnete man sie als „weiß“ („Wese“ oder „Waise“), da sie tatsächlich von fast weißer Farbe sind, wie der Milchopal, den man auch „Waiser“ nannte. Über die Jahrhunderte wandelte sich die Bezeichnung einige Male: Weysinberg, Weisinsteyn, Weißenstein, Wesinstein, Weysinstein, Weißenstein usw. Im 16.-18. Jahrhundert benutzte man den Namen Wesenstein und, letztendlich, heißt das Schloss bis heute Weesenstein. Es hat eine lange und reiche Geschichte. Die Wissenschaftler vermuten (Dokumente wurden keine gefunden), dass der älteste Teil – der Turm – erstmals im 10. Jahrhundert erbaut wurde, als Kaiser Heinrich I. bei seiner Expansion gen Osten damit die Grenze des erweiterten Reiches kennzeichnen wollte. Von dieser Stelle nahmen zwei Wege ins benachbarte Böhmen ihren Anfang. Andere Quellen geben an, der Turm sei im 12. Jahrhundert erbaut. Später wurden über lange Jahre hin Wohn- und Wirtschaftsgebäude, großzügige Säle und Salons an diesen Turm angebaut. Die Hausherren des Schlosses wechselten oft. Zum Ende des 13. Jahrhunderts wird es Eigentum des Burggrafen Otto dem Älteren von Dohna. Am Anfang des 15. Jahrhunderts erobert der Markgraf Wettin das Schloss und übergibt es in den Privatbesitz seines Feldherrn Günter von Bünau. Der Böhmische König wollte es auch besitzen, verzichtete auf den Anspruch jedoch um zwischenstaatliche Konflikte zu beenden. Die Familie von Bünau besaß das Schloss fast bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Im Verlaufe von vier Jahrhunderten musste das alte Gemäuer mehrmals nach Kriegen und Zerstörungen wiederaufgebaut werden. Sehr gelitten hatte es während der Hussitenkriege, nach denen es nahezu neu erbaut werden musste. Während des 30-jährigen Krieges war das gesamte Gebiet von den Schweden erobert, später geplündert und abgebrannt. Das Schloss hat dabei sehr gelitten und wieder wurde es rekonstruiert. Während des Siebenjährigen Krieges in der Mitte des 18. Jahrhunderts spielten sich hier die preußische, später die sächsische Armee als Hausherr auf. Der letzte Besitzer aus der Familie von Bünau musste das Schloss 1772 an die Familie Uckermann verkaufen. Die neuen Besitzer erweiterten und erneuerten das Schloss wesentlich. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts, während der Napoleonischen Kriege, waren hier französische, österreichische und russische Soldaten und hinterließen Spuren der Verwüstung. 1830 kauft der Sächsische König Anton der Gütige das Schloss und es befand sich bis zur Revolution in Besitz der königlichen Familie. Danach in Gemeinschaft oder Staatsbesitz wurde es zum Museum umgestaltet.
Während des 2. Weltkrieges wurden aus der Dresdner Galerie Alter Meister, dem Porzellanmuseum und anderen Museen der Stadt 450 Tausend Exponate nach Weesenstein ausgelagert, die damit erhalten werden konnten. Das Schloss wurde auch zur Aufbewahrungsstätte von Bildern für das „Führermuseum“ in dessen Geburtsstadt Linz. Die ersten fünf Nachkriegsjahre beherbergte Weesenstein ausgebombte Dresdner und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten. Seit 1952 öffnet das Schloss wider als Museum und zeigte u. a. rund 40 Gemälde Dresdner Künstler. Buchstäblich bis zur Wende waren die Mittel stets unzureichend, um das Schloss vollwertig wiederherzustellen; erst seit 1992 fließen dafür Mittel. Die katastrophale Flut im August 2002 brachte neues Unheil, besonders für die Garten- und Parkzone. Aber schon nach einem Jahr war der unmittelbar an das Schloss anschließende Teil des Parks wieder angelegt, seit dem Frühjahr 2007 sind der gesamte Park und alle Räume in der Ausstattung des 19. Jahrhunderts rekonstruiert. Im Restaurant „Weesenstein“ begehen die Bürger des Städtchens Familienfeiern oder geschäftliche Veranstaltungen. Das Leben geht weiter. |
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