Mit den Augen der GUS-Auswanderer gesehen:

Verschont mich, meine Zweifel

Wladimir Kunow

Übersetzerin Anneke Sittner

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Ich warne, ich bin kein Politiker. Und auch kein Politologe. Und überhaupt kein Experte. Ich schaue mir einfach Nachrichten im Fernsehen an oder lese sie im Internet. Ziemlich interessant. Man bekommt ein Bild davon, was in der Welt passiert. Besonders interessant sind die Nachrichten über ein und dasselbe Ereignis, aber aus verschiedenen Informationsquellen. Es gab nur ein Geschehnis, aber es sieht wie zwei unterschiedliche aus, sogar einander ausschließende. So verwirklichen sich die Journalisten und Redakteure. Das ist ihr Selbstausdruck. Beziehungsweise der Ausdruck von jemand Bestimmten. Man wird von Zweifeln zerrissen: Wem von ihnen soll man Glauben schenken? Vielleicht den beiden? Oder lieber gar keinem?

Ähnlich verhalten sich die ganzen Staaten, genauer gesagt, ihre Regierungen. Es gibt zum Beispiel ein solches Land wie Pakistan. Ein großes Land, mit vielen Millionen Einwohnern, die miteinander nicht ganz friedlich leben. Sie töten einander oft. Aus unterschiedlichen Gründen. Während der Regenzeit werden sie mit Wasserströmen übergossen und von Überflutungen bedroht. So geschieht das fast jedes Jahr. Doch das Wasser kühlt sie nicht ab. Ihr Temperament reicht sogar noch für die Nachbarn aus.

Die Regierungschefs sind bei ihnen auch unterschiedlich. Sie werden eigentlich vom Volk gewählt, doch die Wahlen sind gefährlich, der Kandidat kann versehentlich durch einen Bombenanschlag oder durch einen Schuss ums Leben kommen. Was ist denn für die Regierung das wichtigste? Richtig… das Geld. Geld, um die Sicherheitsdienste zu bezahlen… und natürlich die Armee. In der ersten Reihe steht doch die Sicherheit der Regierung, also von sich selbst. Und sehr sinnvoll ist es auch, eine kleine Reserve für schlechte Tage anzulegen. Zum Beispiel in einem Bank in Lichtenstein oder in der Schweiz. Doch woher soll das Geld kommen?

Das findet sich. Es gibt reichere Länder, die man im Volksmund als die „zivilisierten“ bezeichnet. Aber die Reichen haben ihre eigenen Probleme. Sie werden von den Terroristen belästigt, die es für ein wichtiges Prinzip halten, die Reichen in die Luft zu sprengen. Der Kampf dauert schon lange, doch keiner hat bis jetzt gewonnen. Und so hilft die Regierung von Pakistan bei dem Kampf gegen die Terroristen. Selbstverständlich nicht umsonst, sondern für Geld. Und sogar für recht großes Geld. Das nennt sich: die Hilfe für die Wirtschaft. Der Terrorist №1 lebte aber gerade bei ihnen. Und nicht in einer unterirdischen Höhle, wie die Legenden berichteten, sondern in einem normalen Elitestadtviertel, mit allen seinen Ehefrauen und Kindern und mit allen Vorteilen der Zivilisation. Gerade jene Hilfe für die Wirtschaft hat geholfen, diese Stadtviertel aufzubauen. Wo sollte er denn sonst wohnen? Er ist doch der №1, d.h. der Wichtigste. Es hatte sich aber ein eifriger Nachbar gefunden, der den Wichtigsten erkannt und dem Gegner ausgeliefert hat. Und nun wird er aber als Verräter verurteilt. Es bleibt unklar, wen er verraten hat. Übrigens, die ganze Familie des Wichtigsten ist in ihrem Wohnort geblieben und lebt auf  Kosten des Staates.

Die Helfer haben ihre Zweifel. Sollen wir weiter helfen? Wer gedeiht denn von unserem Geld? Und die Nachbarn meinen auch, das sei nicht gut. Doch die Regierung beharrt auf eigenem Standpunkt: es sei gut. Und zur besseren Überzeugungskraft zeigt sie ihre Raketen und Bomben. Allerdings gibt es Raketen nicht nur in Pakistan, sondern auch in Iran. Und wegen der Bomben dort gibt es auch keine Zweifel, die werden bald sein. Und die Ziele sind schon ausgesucht. Und es gibt noch mehrere von dieser Sorte. Was ist, wenn sie Mal auf die „Zivilisation“ abgefeuert werden?

Und hier wird es ungemütlich. Man kontrolliert die Flughäfen, installiert die Sicherheitskameras. Die wichtigste „Zivilisation“, USA, installiert die Abwehrsysteme auf den Militärschiffen. Und in Europa? In Europa stimmen alle dafür. Oder? Doch, nicht alle. Von allen 49 Ländern sind 48 „pro“, und nur eines beharrt auf „kontra“. Wer ist denn das? Russland. Wieso denn „kontra“? Russland ist heute kein Feind für die „Zivilisierten“. Wieso dann dagegen? Es meint: „Gegen wen denn abwehren“? Brennt etwa die Mütze auf dem Dieb? Die Zweifel legen sich nicht.

Und schon wieder die Staatskasse… Das wirtschaftliche Wachstum Russlands unterliegt dem von Amerika etwa zehnmal und zusammen mit Europa um zwanzigmal. Doch innerhalb der Militärindustrie kann Russland wettbewerbsfähig sein. Alle Ressourcen für das Militär aufzuwenden, daran sind die Russen gewöhnt. Hungrig, aber mit Kalaschnikow und hinter dem Zaun abgesperrt. Der alte „Zaun“ wurde abgetragen und das Territorium ist geschrumpft. Doch es scheint, dass für einen neuen „Zaun“ weniger Zeit nötig ist, als man denkt.

Dezember 2011

 

 

 

 

 

 

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